Von Antje Peter, freie Traurednerin in Berlin
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Schweden. Dieses Wort ruft sofort Bilder auf: blaugraue Seen, Schweigen, das irgendwie nie unangenehm ist, Wälder, in denen man sich vorstellen könnte, dass gleich Pippi Langstrumpf um die Ecke biegt. Und natürlich: diese ganz bestimmte Qualität des Sommerlichts, das in den langen Abenden des Nordens einfach nicht aufhören will.
Als freie Traurednerin in Berlin begleite ich Paare durch eines der wichtigsten Momente ihres Lebens. Und immer wieder werde ich gefragt: Gibt es in Schweden eigentlich auch so etwas wie eine Freie Trauung? Ist das Land, das uns Ikea und Abba geschenkt hat, auch ein guter Ort für eine Hochzeit jenseits von Kirche und Standesamt?
Die kurze Antwort: Ja. Und dann noch viel mehr.
Weil ich denke, dass eine Hochzeit immer auch ein Stück der Kultur repräsentiert, in der sie stattfindet – und weil Schweden für viele Paare ein echter Sehnsuchtsort ist – nehme ich euch heute mit. In die Geschichte des Heiratens in Schweden, in seine Traditionen und Bräuche. Und zu der Frage: Was macht eine skandinavische Hochzeit eigentlich so besonders?
Heiraten in Schweden: Zwischen Kirche, Standesamt und Freier Trauung
Wer in Schweden heiraten möchte, hat grundsätzlich dieselben Optionen wie in Deutschland – aber mit ein paar bemerkenswerten Unterschieden.
Die standesamtliche Trauung, die sogenannte borgerlig vigsel, ist in Schweden eine vollständig rechtsgültige und vollwertige Eheschließung. Sie wird von einem Standesbeamten – einem Vertreter der Provinz, der Gemeindeverwaltung oder eines Gerichts – durchgeführt. Das Besondere: Dieser Standesbeamte ist in Schweden nicht ans Standesamt gebunden. Er kann das Paar auch draußen trauen, am See, in einem Park, auf einem Gutshof oder in der freien Natur. Kein Aufpreis, keine Sondergenehmigung, kein Aufwand. Das ist in Schweden einfach normal.
Die kirchliche Trauung ist in Schweden ebenfalls rechtsgültig. Die evangelisch-lutherische Kirche Schwedens (Svenska kyrkan) sowie rund vierzig anerkannte Freikirchen sind berechtigt, Ehen zu schließen. Wer kirchlich heiraten möchte, muss allerdings Mitglied der schwedischen Kirche oder einer anderen nordischen Kirche sein – zumindest einer der beiden Partner. Weitere Infos dazu gibt es direkt bei der Svenska kyrkan.
Und dann gibt es noch etwas, das mir als freie Traurednerin besonders am Herzen liegt: die Möglichkeit, eine Freie Trauung mit einer standesamtlichen Zeremonie zu verbinden. Das Paar heiratet rechtlich beim Standesamt – schlicht, kurz, formell – und feiert danach mit einer individuell gestalteten, persönlichen Zeremonie. Mit einer freien Rednerin, mit Ritualen, mit Worten, die zu ihnen passen. Mit einer Geschichte, die erzählt wird. Das ist in Schweden genauso möglich wie in Deutschland.
Was bedeutet „borgerlig vigsel“ – und was unterscheidet sie von der deutschen Variante?
Der Begriff borgerlig vigsel lässt sich wörtlich ungefähr mit „bürgerliche Trauung“ übersetzen. Was ihn von einer standesamtlichen Trauung in Deutschland unterscheidet, ist die Flexibilität. In Deutschland sind Standesamtstrauungen an das Standesamt oder offiziell anerkannte Außenstellen gebunden. In Schweden kann die Trauperson das Paar buchstäblich überall trauen – solange die Formalitäten im Vorfeld geregelt sind.
Für Paare aus Deutschland, die in Schweden heiraten möchten, bedeutet das konkret: Sie müssen beim schwedischen Skatteverket (skatteverket.se) – der schwedischen Behörde für Steuer- und Meldewesen – ein Aufgebot bestellen. Dazu brauchen sie unter anderem ein deutsches Ehefähigkeitszeugnis, das beim heimischen Standesamt beantragt wird. Nach der Trauung trägt die Trauperson das Datum in das Dokument intyg vigsel ein; die Ehe wird beim Skatteverket registriert und ist anschließend auch in Deutschland rechtsgültig.
Ein weiterer bemerkenswerter Unterschied: Die standesamtliche Trauung in Schweden ist kostenlos. Gebühren fallen lediglich für die zu beschaffenden Dokumente an. Das ist für viele Paare, die die Zeremonie des Standesamts ohnehin als formalen Akt betrachten und das Herzstück der Feier in die Freie Trauung legen, ein schöner Nebeneffekt.

Freie Trauung in Schweden – geht das auch mit einer deutschen Rednerin?
Ja, und zwar ganz einfach! Als freie Traurednerin habe ich keinen Traupersonenstatus, das heißt: Ich schließe keine Ehen im rechtlichen Sinne. Das tue ich auch in Deutschland nicht – das ist und bleibt die Aufgabe des Standesamts. Was ich tue, ist etwas anderes: Ich erzähle Eure Geschichte. Ich gestalte eine Zeremonie, die zu Euch passt. Ich gebe dem Moment eine Sprache.
Und das kann ich genauso gut in Schweden wie in Brandenburg. Am See, im Wald, auf einer Schäreninsel, unter einem schwedischen Sommerhimmel, der sich einfach nicht entschließen kann, dunkel zu werden.
Was ich erlebe, wenn ich Paare auf Reisen begleite: Es entsteht etwas Besonderes, wenn man sich für diesen Moment an einem Ort versammelt, der sich weit weg befindet. Die Gäste reisen an. Das Paar reist an. Alle haben sich bewusst entschieden, hier zu sein. Das gibt dem Tag von Anfang an ein anderes Gewicht.
Was ist eine typisch schwedische Hochzeit?
Jetzt wird es schön. Denn eine schwedische Hochzeit hat ihre ganz eigene Sprache – und die ist durchaus anders als das, was wir aus deutschen Feierlichkeiten kennen.
Das erste, was auffällt: die Gleichwertigkeit der Partner. In Schweden ist es Tradition, dass Braut und Bräutigam die Kirche oder den Festsaal gemeinsam betreten. Nicht der Vater, der die Tochter zum Altar führt. Sondern zwei Menschen, die gemeinsam entschieden haben, ihr Leben miteinander zu verbinden – und das auch so zeigen. Es heißt zwar, wer zuerst die Türschwelle übertritt, hat die Oberhand in der Ehe. Aber das ist einer dieser Bräuche, über die man lacht und die man dann gemeinsam ignoriert.
Der Blumenkranz: mehr als nur ein Accessoire
Kaum ein Bild ist so stark mit einer skandinavischen Hochzeit verbunden wie der Blumenkranz im Haar der Braut. In Schweden ist er kein modisches Detail, sondern ein tief verwurzeltes Symbol. Schwedische Hochzeitsbräuche sehen vor, dass die Braut durch den nordischen Blumenkranz erst vollständig in ihr Hochzeitsgewand gekleidet wird. Oft werden auch Handgelenke mit floralen Details versehen – als Zeichen der Verbindung zur Natur und zu dem, was größer ist als wir.
Und der Brautstrauß? Traditionell enthält er Kräuter und Gräser, die nicht besonders angenehm riechen – sie sollen böse Trolle fernhalten. Das ist kein Scherz. Ob das heute noch praktiziert wird oder ob immer mehr Bräute einen Strauß wählen, der auch fotografisch funktioniert, sei dahingestellt. Vermutlich beides.
Die Münzen im Schuh
Ein weiterer Brauch, den ich außerordentlich charmant finde: Vor der Zeremonie legt die Mutter der Braut eine Silbermünze in den linken Schuh ihrer Tochter, der Vater eine Goldmünze in den rechten. So soll ihr das finanzielle Glück durch die Ehe hindurch nicht ausgehen. Eine kleine, feine Geste der Eltern kurz vor dem großen Moment – die ich persönlich sehr berührend finde.
Duftende Kräuter: Rosmarin als Begleiter durch die Zeremonie
Während des Wegs zum Trauungsort bekommen Braut und Bräutigam kleine Beutel mit aromatischen Kräutern, darunter Rosmarin, die in die Kleidung eingearbeitet werden. Dieser Brauch soll dem Paar eine lange und erfüllte Ehe sichern. Rosmarin steht in vielen europäischen Kulturen für Erinnerung und Treue – das ist also kein schwedisches Alleinstellungsmerkmal, aber die Art, wie es hier in die Zeremonie integriert wird, hat etwas sehr Greifbares. Man riecht es. Man spürt es. Es ist kein abstraktes Symbol.
Der Toastmaster: wer die Trinksprüche koordiniert
Schweden und das Feiern – das ist eine Kombination, die funktioniert. Und zwar mit Struktur. Bei einer schwedischen Hochzeitsfeier wird traditionell ein sogenannter Toastmaster gewählt, der für die Koordination der Trinksprüche zuständig ist. Wer etwas sagen möchte – eine Anekdote, einen Toast, ein Lied – meldet sich beim Toastmaster an. Der sortiert, strukturiert und gibt das Wort frei. Kein wildes Mikrofon-Schnappen, kein unangemessener Moment, an dem plötzlich jemand erzählt, was er eigentlich nie hätte sagen sollen.
Ich finde diese Idee ausgesprochen klug. Als Traurednerin erlebe ich bei Hochzeiten hierzulande manchmal das Gegenteil: endlose, unkoordinierte Redeketten, bei denen die Gäste irgendwann aufgehört haben zuzuhören. Der schwedische Toastmaster löst dieses Problem mit skandinavischer Pragmatik.
Und während des Essens? Da klirren die Gäste mit den Gläsern – das ist das Signal, dass Braut und Bräutigam sich küssen müssen. Und wenn die Braut den Saal verlässt, dürfen die übrigen Frauen den Bräutigam küssen. Kehrt sie zurück, gilt dasselbe Recht den Männern gegenüber der Braut. Das klingt verwegener, als es ist – und sorgt für eine Stimmung, die ich als sehr typisch für skandinavische Feste erlebe: warmherzig, ein bisschen ausgelassen, ohne jede Steifheit.
Das Hochzeitsessen: Smörgåsbord und Köttbullar
Ein traditionelles schwedisches Hochzeitsmahl – das sogenannte Smörgåsbord – ist üppig und unkompliziert. Heringsvariationen, Preiselbeermarmelade, die berühmten Köttbullar, Kartoffeln, eingelegtes Gemüse. Und wer es traditionell möchte: auch Elchfleisch. Die Tafel ist übervoll und einladend, das Essen wird geteilt, niemand wird mit einer winzigen Portion abgespeist. Das passt gut zu dem, was ich an Skandinavien so schätze: Es gibt keine Hierarchien – und eben auch nicht bei Tisch.
Midsommar – der schönste Grund der Welt, in Schweden zu heiraten
Wenn ich Paaren erkläre, warum Schweden als Hochzeitsort so reizvoll ist, gibt es ein Wort, das alles sagt: Midsommar.
Das Mittsommerfest, das in Schweden jährlich am Wochenende um den 24. Juni gefeiert wird, ist mehr als ein Feiertag. Es ist ein kollektives Atemholen. Ein Fest des Lichts, der Natur, der Gemeinschaft. Familien und Freunde versammeln sich auf Wiesen und an Seen, tanzen um die geschmückte Mittsommerstange (midsommarstång), singen, essen, lachen. Die Städte leeren sich, das Land füllt sich. Für viele Schweden ist Midsommar das eigentliche Herz des Jahres. Es hat seine Wurzeln in heidnischen Sonnenwendritualen und wurde im Laufe der Jahrhunderte zu dem Fest, das es heute ist – eine der lebendigsten Traditionen Nordeuropas.
Was hat das mit einer Hochzeit zu tun? Alles.
Denn wer in Schweden um Midsommar heiratet, heiratet im Licht. Wenn um Mitternacht die Sonne hinter dem Horizont nur kurz eintaucht und kurze Zeit später wieder aufgeht, erzeugt das eine Stimmung, die sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Ein Hochzeitstag, der nicht endet. Ein Fest, das in der Abenddämmerung beginnt, die sich nicht irgendwann in Dunkelheit verwandelt, und dann nahtlos in einen neuen Morgen übergeht. Ich sage das nicht, um poetisch zu klingen – genau das passiert dort. Es ist die reinste Magie.
Kein Wunder, dass ein Mittsommerhochzeitstraum für viele Paare mehr ist als eine romantische Fantasie.
Sambo: Wenn man in Schweden ohne Hochzeit zusammenlebt
Eine Besonderheit des schwedischen Familienrechts, die ich erwähnen möchte, weil sie zeigt, wie Schweden über Beziehungen nachdenkt: das Sambo-Konzept.
In Schweden können Paare, die zusammenleben, ihren Status als sambo – was sinngemäß „Lebenspartner*in“ bedeutet – registrieren lassen. Diese Lebensgemeinschaft ist rechtlich anerkannt und bietet bestimmte Schutzregelungen, auch ohne formale Eheschließung. Das erklärt, warum viele schwedische Paare sehr bewusst wählen, zu heiraten – nicht, weil es rechtlich notwendig ist, sondern weil es eine ganz klare Ansage ist. Ein öffentliches Bekenntnis. Eine Zeremonie, die aus einer echten Entscheidung entsteht.
Das finde ich spektakulär. Denn es macht die Hochzeit in Schweden zu etwas besonders Aufrichtigem – man muss nicht, aber man will.
Was wir uns von einer schwedischen Hochzeit abschauen können
Als freie Traurednerin lerne ich viel aus dem Blick auf andere Kulturen. Und Schweden hat einiges zu bieten, das ich mir wünsche, öfter auch in deutschen Zeremonien zu sehen.
Die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Braut und Bräutigam treten gemeinsam ein. Das ist nicht nur eine Geste – es ist eine Haltung. Die Ehe beginnt mit zwei Menschen, die sich auf Augenhöhe begegnen.
Die Verbindung zur Natur. Schwedische Hochzeiten finden oft draußen statt – an Seen, in Wäldern, auf Höfen. Nicht weil es billiger wäre, sondern weil die Natur zum Feiern gehört genauso wie zum Leben selbst. Das Licht, der Wind, die Geräusche – sie sind Teil der Zeremonie.
Der strukturierte Toastmaster. Eine kluge Idee, die ich wirklich empfehlen würde: jemanden zu benennen, der den Abend gestaltet, die Reden koordiniert, dafür sorgt, dass der Abend im Rhythmus bleibt.
Die kleinen Rituale mit großer Bedeutung. Die Münzen im Schuh, die Kräuter in der Kleidung, der Blumenkranz. Keine dieser Gesten ist laut. Keine nimmt viel Raum ein. Aber hinter jede einzelnen verbirgt sich eine Geschichte. Genau das ist es, was Rituale zu Ritualen macht – es geht um die Bedeutung, die dahinter steckt.
Freie Trauung in Schweden: Was das für Euch bedeuten kann
Wenn Ihr mit dem Gedanken spielt, in Schweden zu heiraten – oder eine Hochzeit zu feiern, die vom skandinavischen Geist inspiriert ist – dann ist eine Freie Trauung die richtige Wahl – denn hier könnt Ihr euch ganz frei entfalten.
Die rechtliche Trauung findet beim Standesamt statt – schlicht, korrekt, nüchtern. Und dann: Eure Zeremonie. An einem Ort, den Ihr gewählt habt. Mit Ritualen, die zu Euch passen. Mit Worten, die Eure Geschichte erzählen – nicht irgendeine Geschichte, sondern genau diese: Eure.
Ich schreibe keine Reden nach Vorlage. Ich höre zu. Ich frage nach. Ich suche – um Mark Twain zu zitieren – den Blitz, nicht das Glühwürmchen. Und dann finde ich die Sätze, in denen Ihr Euch wiedererkennt.
Ob das in Berlin passiert, in Potsdam, auf einem brandenburgischen Gutshof – oder am Ufer eines schwedischen Sees, während die Mitternachtssonne den Horizont nicht ganz loslässt: Was zählt, ist der Moment. Die Worte. Die Menschen.
Und die Geschichte, die aus diesem Tag wird.
Praktische Hinweise für eine Hochzeit in Schweden
Zum Abschluss noch ein paar sachdienliche Hinweise für alle, die nicht nur träumen, sondern planen.
Für die standesamtliche Eheschließung in Schweden braucht ihr als deutsches Paar unter anderem ein Ehefähigkeitszeugnis, das Ihr beim deutschen Standesamt beantragt, neben den internationalen Geburtsurkunden. Das Aufgebot wird beim schwedischen Skatteverket bestellt. Die Eheschließung selbst ist kostenlos; nur für die Dokumente fallen Gebühren an. Nach der Hochzeit solltet ihr eine beglaubigte Kopie des intyg vigsel vom Skatteverket anfordern sowie das vigselbevis oder vigselprotokoll der Trauperson – beides wird für die Anerkennung der Ehe in Deutschland benötigt. Weitere Informationen findet ihr direkt bei der Deutschen Botschaft Stockholm.
Die beliebteste Jahreszeit für Hochzeiten in Schweden ist der Sommer – also Juni bis August. In dieser Zeit sind die Temperaturen angenehm, das Licht ist magisch, und die Chancen auf einen schönen Außenbereich sind gut. Wer sicher gehen will: Immer einen Plan B haben. Schweden ist schön im Regen. Aber ein Pavillon schadet nicht.
Und zu guter Letzt: In Schweden spricht nahezu jeder Englisch. Die Kommunikation mit Locations und Dienstleistern ist unkompliziert – auch für Paare, die kein Schwedisch können. Nebenbei bemerkt: Schwedisch ist nach Italienisch meine persönliche Lieblingssprache.
Habt ihr Fragen zur Freien Trauung – in Schweden, Deutschland oder anderswo? Ich beantworte sie gern. Schreibt mir, und wir schauen gemeinsam, was zu Euch passt.



