Von Antje Peter · Freie Traurednerin in Berlin, Potsdam & Brandenburg
Foto: (c) stock.adobe.com „Old russian traditional wedding in orthodox church“ Von Kyrylo Ryzhov

Es gibt Kulturen, die so viel Sorgfalt in das Ritual der Hochzeit legen, dass man als Außenstehende fast ehrfürchtig wird. Die Ukraine gehört dazu. Ein Land, das mit einer bemerkenswerten Beharrlichkeit an seinem kulturellen Erbe festhält. An seinen Liedern, seiner Stickerei, seiner Sprache. Und an seinen Hochzeitsritualen.

Als freie Traurednerin in Berlin begleite ich Paare durch einen der schönsten Momente ihres Lebens. Und je mehr ich über Hochzeitszeremonien anderer Kulturen erfahre, desto klarer wird mir: Der Wunsch, Liebe sichtbar zu machen, ihr eine Form zu geben, die größer ist als das alltägliche Miteinander – dieser Wunsch ist universell. Die Form, in der er sich ausdrückt, ist es nicht.

In diesem Beitrag nehme ich euch mit in die Ukraine. In eine Hochzeitskultur, die tief in der slawischen Volksüberlieferung verwurzelt ist, die orthodoxe Spiritualität mit heidnischen Elementen verwebt, und die jedem einzelnen Hochzeitsritual eine Bedeutung gibt, die weit über den Moment selbst hinausreicht. Brot, Tuch, Kranz, Gesang – nichts davon ist zufällig. Alles erzählt.

Eine Hochzeit, die aus drei Akten besteht

Das erste, was man über ukrainische Hochzeiten verstehen muss: Sie sind keine einzelne Veranstaltung. Laut der englischsprachigen Wikipedia-Seite zu ukrainischen Hochzeitstraditionen gliedert sich eine traditionelle ukrainische Hochzeit in drei verbindliche Zyklen – die Phase vor der Hochzeit, die eigentliche Hochzeit und die Nachfeier. Jeder dieser Zyklen besteht aus einzelnen Zeremonien, die jeweils ihre eigene symbolische Bedeutung tragen.

Das ist eine Vorstellung von Ehe, die ich sehr mag: nicht als einzelner Höhepunkt, sondern als Prozess. Als etwas, das sich entfaltet. Als Gemeinschaft, die sich Zeit nimmt. In Deutschland dauert eine Hochzeit vielleicht einen Tag, manchmal zwei. In der traditionellen Ukraine sprach man von Tagen – manchmal einer ganzen Woche.

Svatannia: Wenn die Familie das Wort ergreift

Alles beginnt lang bevor das erste Hochzeitskleid anprobiert wird. Der erste Schritt auf dem Weg zur ukrainischen Hochzeit ist das Svatannia – die Werbung. Eine Delegation vom Haus des Bräutigams, in der Regel ältere Männer aus der Familie – der Vater, der Onkel, ältere Brüder – begibt sich zum Haus der Braut, um um ihre Hand anzuhalten.

Fernliebe.eu beschreibt, dass die Vermittlerin dieses Prozesses „Svaha“ heißt und dass eine gut erzogene junge Frau damals zweimal Nein sagen und erst den dritten Heiratsantrag der Vermittler annehmen sollte. Selbstverständlich ist diese strenge Form heute nicht mehr üblich – aber die Idee dahinter ist interessant: eine Entscheidung, die Zeit braucht, die ernst genommen wird, die Würde hat.

Auf das Svatannia folgt die Zaruchyny – die Verlobungszeremonie, bei der die Hände des Paares in einen Rushnyk gewickelt und zusammengebunden werden. Polina24.de berichtet, dass dieser Moment in einigen Regionen als so bindend angesehen wurde wie die Ehe selbst – danach konnte die Vereinbarung nur noch unter erheblichen sozialen Konsequenzen aufgelöst werden. Das Paar tauscht Verlobungsringe aus, die Familien einigen sich auf Mitgift und Hochzeitstermin, und das Ganze wird mit einem Festmahl gefeiert, bei dem traditionelle Lieder gesungen werden, die dem Paar Glück und Fruchtbarkeit wünschen.

Der Rushnyk: Ein Tuch, das mehr ist als ein Tuch

Wer ukrainische Hochzeitsrituale verstehen will, muss den Rushnyk verstehen. Dieses besticktes Leinentuch – schmal, lang, oft mehrere Meter – ist das vielleicht bedeutendste Symbol der gesamten ukrainischen Hochzeitskultur. Es begleitet die Zeremonie von Anfang bis Ende, und seine Bedeutungen sind vielschichtig.

Wikipedia erklärt, dass Rushnyks mit Vogelpaaren bestickt sind, die das Brautpaar symbolisieren, und dass sie häufig Teil der Mitgift der Braut sind. Das Muster eines Rushnyks ist kein Zufall und kein bloßes Dekor – es ist eine Sprache. Die Kulturforscherin Laura Shannon beschreibt, wie in der Stickerei des Rushnyks drei Hauptgöttinnen der slawischen Mythologie präsent sind: Rozhanytsia, die Geburtsgöttin, Mokosh, die Göttin der Fruchtbarkeit, und Berehinia, die Göttin des Schutzes.

Das Brautpaar steht während der Zeremonie auf dem Rushnyk. Die Hände werden in ihn eingewickelt. Er wird bei der Verlobung genutzt, beim Segen der Eltern, bei der Kirchentrauung. Laut The Knot ist die Hauptfarbe der Stickerei Rot – ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Und ein ukrainischer Aberglaube besagt: Wer als Erstes auf den Rushnyk tritt, hat in der Ehe das Sagen.

Als Traurednerin bin ich fasziniert von dieser Idee: ein Gegenstand, der durch alle Phasen der Zeremonie trägt und der dabei nicht dekorativ, sondern funktional ist. Er verbindet. Er markiert. Er erinnert. Eine Hochzeit, bei der ich etwas Ähnliches gesehen habe, war das Handfasting – die keltische Tradition, bei der die Hände des Brautpaares mit einem Band zusammengebunden werden. Auch hier: die sichtbare Verbindung als Ritual. Es braucht manchmal eine äußere Form, um das Innere begreifbar zu machen.

Divych-Vechir: Der Abschied vom Mädchenleben

In der Woche vor der Hochzeit gibt es in der Ukraine eine Tradition, die ich besonders berührend finde: den Divych-Vechir – wörtlich der „Mädchenabend“. Es ist das ukrainische Äquivalent des Junggesellinnenabschieds, aber mit einer ganz anderen emotionalen Qualität.

Polina24.de beschreibt, wie sich die Freundinnen der Braut versammeln, um gemeinsam einen Hochzeitskranz – den Vinok – aus Blumen, Kräutern und bunten Bändern zu flechten. Das Flechten des Vinoks war ein emotionaler Moment, erläutert Volkskundlerin Natalia Dmytrenko: Es symbolisierte den Übergang des Mädchens vom unverheirateten in den verheirateten Status, und dabei wurden wehmütige Lieder gesungen, die die bevorstehende Trennung von der Jugend thematisierten.

Die ältere Variante dieses Rituals war noch intensiver: Laut Single-Russian-Woman.com versammelten sich die Freundinnen manchmal im Badehaus, wuschen die Braut, kämmten ihr Haar – und die Braut weinte. Sie trauerte laut und öffentlich um ihr bisheriges, unverheiratetes Leben. Das war kein Zeichen von Unglück, sondern ein Ritual der Anerkennung: Etwas endet hier. Das verdient Tränen.

Nach dem Baderitual begann die Braut, Bänder auf einen Ast zu weben – ein Talisman, der später die Hochzeitstafel des Brautpaares schmückte. Alles hatte seine Bedeutung. Nichts war beliebig.

Der Vinok: Krone der Braut

Der Vinok – der Blumenkranz der Braut – ist neben dem Rushnyk das bekannteste Symbol der ukrainischen Hochzeit. Talkpal.ai erklärt, dass ukrainische Hochzeiten reich an Traditionen sind und der Vinok Reinheit und Unschuld symbolisiert.

Er wird aus frischen Blumen und Kräutern geflochten – Wiesenblumen, Minze, Beifuß, dazu bunte Bänder, die je nach Farbe verschiedene Bedeutungen tragen. PostMarkUkraine beschreibt, dass der Vinok Schönheit und Reinheit der Braut symbolisiert und manchmal auch genutzt wird, um die Hände von Braut und Bräutigam während der Zeremonie zu verbinden.

Was mich besonders fasziniert: Stelmakh.com schreibt, dass ukrainische Bräute seit der Antike ihren aus den schönsten Blumen geflochtenen Hochzeitskranz an eine Freundin weitergaben, die im Idealfall innerhalb eines Jahres nach der Übergabe heiraten sollte. Um die Chancen aller bei der Hochzeit anwesenden Mädchen auszugleichen, wurde der Kranz später in die Menge geworfen – eine alte ukrainische Tradition, die wir heute im Brautstraußwerfen wiedererkennen. Das ist keine amerikanische Erfindung. Das ist Ukraine, uralt.

Das Korovai: Wenn Brot heilig wird

Kein Ritual der ukrainischen Hochzeit ist symbolisch dichter als das Backen und Teilen des Korovai – des zeremoniellen Hochzeitsbrots. Es ist rund, es ist aus Weizenmehl, es ist reich verziert. Aber es ist vor allem eines: gemeinschaftlich.

Wikipedia beschreibt, dass das Korovai traditionell ein großes, rundes, geflochtenes Brot war, das mit symbolischen Figuren aus Teig dekoriert wurde – Sonnen, Monde, Vögel, Tiere, Tannenzapfen. Es wurde dem Brautpaar als Segensgabe überreicht.

Das Backen selbst ist ein Ritual. Polina24.de erklärt, dass diese Aufgabe ausschließlich verheirateten Frauen mit glücklichen Ehen übertragen wird – den sogenannten „Korovainytsi“. Während sie das Brot backen, singen sie rituelle Lieder. Es ist kein Nebenher-Backen, kein Kochen für den Tisch. Es ist ein zeremonieller Akt.

The Knot beschreibt, dass das Korovai ein bis fünf Stockwerke haben kann und die Gemeinschaft sowie deren Segen für die Ehe repräsentiert. Typischerweise wird das Brot wenige Tage vor der Hochzeit gebacken, wobei Familienmitglieder beider Seiten mithelfen – ein Symbol für das Zusammenwachsen beider Familien zu einer.

Das Hochzeitsbrot ist beim gesamten Fest präsent – von Beginn bis zum Ende. Weddingsinkrakow.com berichtet, dass das Paar am Eingang zum Hochzeitssaal mit dem riesigen Brotlaib – dem „Karawaj“ – begrüßt wird. Braut und Bräutigam sollen ein Stück abbeißen: Wer mehr abbeißt, hat in der Ehe das Sagen. Das klingt nach Spaß, ist aber uralte Symbolik: Brot als Macht, Brot als Versprechen.

Und ganz am Ende, wenn das Fest sich dem Abschluss nähert, wird das Korovai aufgeteilt. Stelmakh.com berichtet, dass die Mitte des Laibs dem Brautpaar gehört, der Rest wird in Stücke geschnitten und nach Verwandtschaftsgrad und Alter an die Gäste verteilt. Der untere Teil – die „Sohle“ – wird von den Ältesten während eines fröhlichen Tanzes an die Musikanten gegeben. Selbst das Aufteilen hat eine Ordnung. Selbst das Aufteilen erzählt von Gemeinschaft.

Blahoslovennia: Der Segen der Eltern

Kurz bevor das Paar zur Kirche oder Zeremoniehalle aufbricht, findet das Blahoslovennia statt – der elterliche Segen. Polina24.de beschreibt diesen Moment als emotional und bedeutsam: Das Paar kniet auf einem speziellen Rushnyk, während die Eltern Ikonen halten und traditionelle Segensworte sprechen. Sie halten Brot und Salz – grundlegende Symbole für Wohlstand – und segnen das Paar dreimal, eine Anspielung auf die Heilige Dreifaltigkeit.

In einigen Regionen schlagen die Eltern dabei leicht die Köpfe des Paares zusammen – ein scherzhaftes Ritual, das Harmonie in der Ehe symbolisieren soll. Die Mütter streuen Getreide, Nüsse und Süßigkeiten über das Paar: Fruchtbarkeit und Süße sollen ihr Leben begleiten.

Als Traurednerin berührt mich dieser Moment sehr. Wie oft erlebe ich bei Hochzeiten, dass die Eltern gar keinen offiziellen Platz in der Zeremonie haben? Dass sie irgendwo in der ersten Reihe sitzen und zuschauen, aber nichts sagen dürfen? Das ukrainische Blahoslovennia macht die Eltern zu aktiven Teilnehmern. Es gibt ihnen eine Sprache für das, was sie fühlen. Und das Paar empfängt diesen Segen kniend – in einer Haltung, die Würde hat und Dankbarkeit ausdrückt.

Vykup: Das Lösegeld für die Braut

Ein Hochzeitsbrauch, der heute vor allem als humorvolles Spiel erhalten ist, war ursprünglich ein ernsthaftes Ritual: das Vykup – das Lösegeld für die Braut. GenerationLove erklärt, dass der Bräutigam und seine Trauzeugen dabei viele Rätsel lösen müssen, die von den Brautjungfern gestellt werden, um zur Wohnung oder zum Zimmer der Braut zu gelangen und sie von dort zum Standesamt zu bringen.

Hochzeitsspiele1.com beschreibt einen besonders charmanten Aspekt des Vykup: Es werden mehrere Frauen als Braut verkleidet, und der Bräutigam muss zunächst herausfinden, welche davon seine zukünftige Ehefrau ist. Kann er das Rätsel nicht lösen oder eine Aufgabe nicht erfüllen, zahlt er einen Betrag – das gesammelte Geld bleibt bei den Brautjungfern oder geht an die Eltern der Braut.

Was steckt dahinter? Der Beweis. Die Anstrengung. Das Zeigen, dass man bereit ist, für jemanden etwas zu tun. Mir gefällt das. Nicht als Besitzbeziehung – die Braut gehört niemandem –, sondern als symbolische Geste: Ich komme zu dir. Ich gehe durch diese Türen. Ich beweise meine Liebe, und alle sollen es sehen.

Venchanie: Die kirchliche Trauung

Die meisten Ukrainer gehören der orthodoxen oder griechisch-katholischen Kirche an. Die kirchliche Zeremonie – das Venchanie – ist für viele Paare der spirituelle Kern ihrer Hochzeit. Weddingsinkrakow.com erklärt, dass die standesamtliche Registrierung in der Ukraine obligatorisch ist, eine kirchliche Trauung aber zusätzlich möglich ist.

Eines der schönsten Elemente der orthodoxen Trauung ist die Krönung: Der Priester setzt dem Paar zeremonielle Kronen auf, die vom Trauzeugen und der Trauzeugin oder von speziellen Helfern über ihren Köpfen gehalten werden. Laut Polina24.de symbolisieren diese Kronen, dass das Paar nun „König und Königin“ ihres eigenen kleinen Königreichs – ihres Zuhauses – sind. Die Kronen haben aber auch eine tiefere spirituelle Bedeutung: Sie repräsentieren die Bereitschaft, sich füreinander zu opfern.

Das Paar steht auf dem weißen Rushnyk, dem „Glückstuch“, das symbolisiert, dass ihr neues gemeinsames Leben beginnt. The Knot weist darauf hin, dass ukrainische Brautpaare den Ring an der rechten Hand tragen – anders als in den USA, aber wie es in vielen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, Tradition ist.

Single-Russian-Woman.com beschreibt außerdem, dass das Brautpaar nach der Zeremonie die Kirche unter einem festlichen Feuerwerk aus Münzen und Körnern verlässt, mit dem die Gäste sie überschütten. Die Eltern gießen Wasser unter die Füße der Frischvermählten – ein Symbol der Reinigung und Heiligung auf dem Weg zu einem glücklichen Familienleben.

Choboty: Die Stiefel der Schwiegermutter

Unter den Hochzeitsritualen der Ukraine gibt es einige, die vor allem durch ihren Humor und ihre emotionale Intelligenz auffallen. Das Ritual des Choboty – übersetzt aus dem Ukrainischen: Stiefel – ist eines davon.

Single-Russian-Woman.com beschreibt dieses Ritual so: Der Bräutigam kauft speziell für diesen Anlass neue Stiefel. Am Hochzeitstag lädt er seine Schwiegermutter an den prominentesten Platz im Festsaal und wäscht ihr feierlich die Füße – mit besonderer Sorgfalt, Fleiß und Liebe. Dann zieht er ihr die neuen Stiefel an. Das alles wird von Volkstänzen und Liedern begleitet.

Was dieses Ritual so klug macht: Es gibt der Beziehung zwischen Schwiegersohn und Schwiegermutter von Beginn an eine Form. Es ist keine abstrakte Versicherung, die Mutter seiner Frau gut zu behandeln. Es ist eine öffentliche, sichtbare Handlung. Ich mache das. Alle sehen es. Das Ritual übersetzt das Versprechen in eine Geste.

Das Entflechten des Zopfes: Ein Abschluss, der berührt

Am Ende der ukrainischen Hochzeit – nachdem gefeiert, gegessen, getanzt und gesungen wurde – steht ein letztes, stilles Ritual: das Entflechten des Zopfes der Braut. Fernliebe.eu beschreibt, dass die Schwiegermutter dabei den Brautschleier abnimmt und den Kopf der Braut mit einem Tuch bedeckt. Das symbolisiert, dass das ukrainische Mädchen nun zur Ehefrau geworden ist.

Anschließend tanzt die Braut mit jeder ihrer unverheirateten Freundinnen und lässt diese den Brautschleier kurz anziehen – eine Geste der Verbundenheit und der Weitergabe. ArticleWedding.com ergänzt, dass auch der Bräutigam und die Schwiegermutter an diesem Ritual beteiligt sind und gemeinsam vorsichtig die Hochzeitskrone mit Bändern und den Zopf der Braut entflechten.

Auch hier: Der Übergang wird markiert. Nicht kommentarlos, nicht nebenbei. Mit Händen, mit Berührung, mit Zeugschaft. Diese Frau verlässt einen Lebensabschnitt und tritt in einen neuen ein. Das verdient einen Moment. Das verdient ein Ritual.

Das Hochzeitsfest: Gemeinschaft als Wert

Eine ukrainische Hochzeit ist, das wird in all diesen Ritualen spürbar, kein individuelles Ereignis. Sie ist ein Gemeinschaftsfest. Weddingsinkrakow.com beschreibt, dass traditionelle ukrainische Hochzeiten je nach Mittel des Paares zwischen 20 und über 100 Gäste umfassen können – auf dem Land sind große Feste häufiger als in der Stadt.

Das Hochzeitsfest beginnt mit einer Fülle von warmen und kalten Vorspeisen und Salaten, dann folgen mehrere warme Gerichte. Der Kuchen – oder das Korovai – wird immer ganz am Ende serviert, als letzte süße Gabe des Abends. GenerationLove erklärt, dass bei der ukrainischen Hochzeit die Gäste Geld sammeln – für den Sohn, für die Tochter – und auch jedes Stück Hochzeitstorte symbolisch „verkauft“ wird. Das gesammelte Geld geht ans Brautpaar.

Der Hopak – der ukrainische Volkstanz mit seinen spektakulären Sprüngen und Stampfbewegungen – gehört auf jede traditionelle ukrainische Hochzeit. Er ist Ausdruck von Lebensfreude, Energie, Gemeinschaft. Er ist auch ein Statement: Wir sind hier. Wir feiern. Wir existieren.

Ukrainische Hochzeiten heute: Zwischen Tradition und Gegenwart

Was geschieht mit diesen Ritualen in einer Zeit, in der die Ukraine unter Krieg leidet? Sie werden gepflegt. Mit mehr Bewusstsein als zuvor.

Globhistory.org beschreibt, dass die nationalen Traditionen und Bräuche der Ukraine ein wesentlicher Bestandteil ihres kulturellen Erbes sind und die jahrhundertelange Geschichte des Volkes, seine Bräuche und Weltanschauungen widerspiegeln. In einer Zeit, in der Identität bedroht ist, werden Rituale zu Ankern.

Viele dieser Bräuche haben sich an die Moderne angepasst. Das Svatannia ist selten geworden; das Vykup ist zum fröhlichen Hochzeitsspiel geworden; die Dauer der Feierlichkeiten hat sich verkürzt. Aber die Symbole sind geblieben: der Rushnyk, der Vinok, das Korovai. Und mit ihnen die Botschaft dahinter: Eine Hochzeit ist mehr als ein Standesamttermin. Sie ist eine Gemeinschaft, die sagt: Wir sehen euch. Wir segnen euch. Wir feiern euch.

Was ich als Traurednerin daraus mitnehme

Ich sitze manchmal mit Paaren zusammen, die mir sagen: „Wir wollen etwas Besonderes – aber wir wissen nicht, was.“ Und dann fragen wir uns gemeinsam: Was bedeutet euch eure Verbindung? Was wollt ihr sichtbar machen? Welche Geste soll erzählen, was ihr füreinander empfindet?

Die ukrainische Hochzeitstradition gibt darauf eine sehr klare Antwort: Nehmt Brot. Nehmt Tuch. Nehmt Blumen und Lieder und die Hände eurer Eltern. Macht das Unsichtbare sichtbar. Gebt dem Versprechen eine Form.

Das ist es, was gute Rituale tun – egal ob japanisch, ukrainisch oder ganz individuell für ein Paar in Berlin entworfen. Sie übersetzen Gefühle in Handlungen. Sie machen aus einem Moment einen Anker. Etwas, das man sich noch Jahre später erinnert. Nicht weil es teuer war oder aufwendig – sondern weil es bedeutsam war.

Wenn ihr euch fragt, welche Rituale zu eurer Hochzeit passen könnten – ob ein Rushnyk-Moment, ein gemeinsames Brotbrechen, ein Kranzeinflechten oder etwas, das wir zusammen für euch entwickeln: Ich bin da. Ich helfe euch, die Form zu finden, die zu eurer Geschichte passt.

Mehr über meine Arbeit als Traurednerin in Berlin erfahrt ihr hier. Oder schreibt mir direkt – ich freue mich, von euch zu hören.

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