Von Antje Peter · Freie Traurednerin in Berlin, Potsdam & Brandenburg
Fotos: (c) Antje Peter

Es gibt ein Gespräch, das ich immer wieder führe – in verschiedenen Variationen, aber mit demselben Kern. Ein Paar sitzt mir gegenüber, erzählt von sich, von ihrer Geschichte, von dem, was sie verbindet. Und irgendwann sagt einer von beiden: „Wir wollen keine normale Hochzeit.“ Was folgt, ist eine kurze Pause. Denn „keine normale Hochzeit“ kann alles bedeuten. Manche meinen damit: kein weißes Kleid. Andere meinen: keine Kirche, kein Standesamt-Text, keine Floskeln. Wieder andere meinen etwas ganz Anderes – etwas, das sich erst zeigt, wenn man tiefer fragt.

Genau für diese Paare ist dieser Beitrag. Für alle, denen die großen vier – Boho, Vintage, Minimalist, klassische Eleganz – zwar vertraut sind, aber nicht ganz passen. Für alle, die beim Scrollen durch Pinterest-Boards an einem bestimmten Bild hängengeblieben sind und nicht genau wussten, warum. Für alle, die sich in Subkulturen, in Literatur, in Neonlicht oder in verwilderten Gärten mehr zuhause fühlen als in einem Ballsaal.

Ich nehme euch heute mit in drei ästhetische Welten, die in der Hochzeitsplanung abseits des Mainstreams angesiedelt sind und gerade deshalb eine außerordentliche Kraft haben: Dark Romance, Cottagecore und Cyberpunk. Ich erkläre, wofür jede dieser Ästhetiken steht, welche Rituale dazu passen – und ich stelle euch die Frage, die über jeden Stilbegriff hinausgeht: Was sagt dieser Stil über euch?

Was eine Themenhochzeit wirklich ist – und was sie nicht ist

Bevor wir in die drei Stile eintauchen, möchte ich kurz bei einem Missverständnis innehalten, dem ich immer wieder begegne. Eine Themenhochzeit ist kein Kostümfest. Sie ist keine Theateraufführung. Sie ist nicht die Entscheidung, an einem bestimmten Tag jemand anderes zu sein. Eine Themenhochzeit im besten Sinne ist das genaue Gegenteil: Es ist die Entscheidung, an dem wichtigsten Tag im Leben vollständig man selbst zu sein – und diesem Selbst einen ästhetischen Rahmen zu geben, der passt wie ein maßgeschneiderter Anzug.

Der Unterschied liegt in der Echtheit. Wenn ihr eine Dark Romance-Hochzeit plant, weil ihr im Herzen Liebhaber düsterer Ästhetik, gotischer Literatur und dramatischer Emotionen seid – dann ist diese Hochzeit kein Verkleidungsspiel. Sie ist Ausdruck. Wenn ihr Cottagecore wählt, weil ihr wirklich so lebt – mit Kräutergarten, selbstgemachter Marmelade und dem Wunsch nach einem Leben in Langsamkeit – dann ist dieser Stil nicht Dekoration. Er ist Haltung. Und wenn ihr Cyberpunk wählt, weil euch Technologie, Science-Fiction und das Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine wirklich fasziniert, dann feiert ihr keine Rollenspiel-Runde. Ihr feiert euch.

Das ist der Maßstab, an dem ich jede Themenhochzeit messe – und an dem ihr eure eigene messen solltet.

Dark Romance: die Schönheit im Dunkel

Was Dark Romance eigentlich bedeutet

Dark Romance ist zunächst ein literarisches Genre. Es bezeichnet Liebesgeschichten, die ihre Romantik aus der Spannung, dem Verbotenen, dem Gefährlichen ziehen – Geschichten, in denen Liebe nicht trotz der Dunkelheit existiert, sondern manchmal gerade wegen ihr. Die Verkäufe im Bereich Dark Romance stiegen im ersten Halbjahr 2024 um 24 Prozent, angetrieben von Plattformen wie TikTok, die eine junge, engagierte Leserschaft erschlossen haben. Wer hinter diesem Boom steckt, sind keine Menschen, die das Düstere um des Düsteren willen suchen – sondern Menschen, die emotionale Tiefe wollen. Intensität. Echtheit.

Auf die Hochzeit übertragen bedeutet Dark Romance: keine Pastellfarben, kein helles Licht, keine weißen Rosen. Stattdessen Burgunderrot, Schwarz, Smaragdgrün, tiefes Violett. Kerzen, viele Kerzen. Samt und Spitze. Statt heller und lebendiger Farbtöne in typischen Blumenarrangements dominieren in der Dark Romance-Ästhetik tiefe, stimmungsvolle Töne wie Burgunderrot, Lila, Waldgrün und satte Blautöne – Blumen, die im Schatten zu blühen scheinen. Dazu gotische Architektur oder eine Location mit Geschichte: ein altes Gewölbe, eine Burg, eine Bibliothek, ein verlassenes Herrenhaus, das sein bestes Leben erst im Kerzenschein findet.

Und die Mode? Kein weißes Brautkleid, wenn es nicht zu euch gehört. Ein tiefschwarzes Kleid mit Schleppe. Oder ein dunkles Burgunderrot. Bodenlange Kleider aus Satin und Spitze, dramatische Silhouetten, filigrane Stoffe – eine düstere Eleganz geht von dieser Ästhetik aus, die romantische und geheimnisvolle Elemente verbindet. Für die Begleitungen des Brautpaares: dunkle, aufeinander abgestimmte Looks, die zusammen ein stimmiges Bild ergeben, ohne uniformiert zu wirken.

Die Location

Eine Dark Romance-Hochzeit braucht einen Raum, der mitspielt. Einen Raum, der eine eigene Geschichte erzählt. Das kann eine mittelalterliche Burg sein, ein altes Schloss mit verwitterten Mauern, eine historische Bibliothek, eine Kathedrale oder ein Weinkeller mit Gewölbedecken. Das Licht sollte niedrig und warm sein – ausschließlich Kerzen wenn möglich, ergänzt durch tiefwarme Lichtquellen. Draußen kann ein großer Barockgarten mit Rosensträuchern die richtige Bühne bilden; dann vorzugsweise abends, wenn das letzte Tageslicht gerade verblasst und die Fackeln angezündet werden.

Welche Rituale passen zu Dark Romance?

Rituale sind das Herzstück jeder freien Trauung – und bei einer Dark Romance-Hochzeit haben sie eine besondere Aufgabe: Sie müssen die emotionale Intensität des Stils auf einen persönlichen, menschlichen Kern herunterbrechen. Denn Dark Romance ist keine Ästhetik der Distanz. Sie ist die Ästhetik der größtmöglichen Nähe – der Liebe, die keine Abkürzungen nimmt.

Das Blutbruderschafts- oder Handfasting-Ritual passt wunderbar in diesen Rahmen. Das keltische Handfasting, bei dem die Hände des Paares mit Bändern oder Schnüren umschlungen werden, hat eine lange Geschichte als symbolische Vereinigung zweier Menschen. In der Dark Romance-Variante wählt ihr dunkelrote, schwarze oder tiefviolette Bänder – und die Worte, die dazu gesprochen werden, sprechen von Beständigkeit, von Versprechen, die nicht leichtgemacht werden. Nicht von rosaroten Träumen, sondern von bewusster, tiefer, unerschütterlicher Entscheidung füreinander.

Sehr stark in diesem Kontext ist auch das Schreiben und Verlesen eigener Eheversprechen, die die Dunkelheit nicht ausklammern. Versprechen, die sagen: Ich sehe alles von dir – nicht nur das Licht, auch den Schatten. Und ich wähle dich trotzdem. Oder: Ich wähle dich gerade deshalb. Diese Art von Versprechen hat eine Ehrlichkeit, die jeden im Raum trifft. Denn sie sagt etwas aus, das viele fühlen, aber selten aussprechen: Liebe ist nicht naiv. Liebe ist mutig.

Auch das Kerzenritual entfaltet bei einer Dark Romance-Hochzeit eine besondere Wirkung. Zwei Kerzen, eine für jeden Menschen – gemeinsam wird eine dritte, größere Kerze entzündet. In einem Raum voller Kerzenlicht ist dieser Moment von einer Stille und Intensität, die keine Rede der Welt vollständig beschreiben kann. Ich erlebe das immer wieder: Wenn Stille und Licht zusammenkommen, passiert in einer Zeremonie etwas, das über Worte hinausgeht.

Für wen ist Dark Romance das Richtige?

Wenn ihr beim Lesen Bücher bevorzugt, in denen Liebe nicht einfach ist. Wenn euch ein Herbstabend mehr anspricht als ein Sommermorgen. Wenn ihr Schönheit in Dingen findet, die die meisten als düster empfinden – in alten Gemäuern, in Gewitterlicht, in Musik, die einem nicht loslässt. Wenn ihr das Wort „Intensität“ nicht als Warnung, sondern als Einladung versteht.

Cottagecore: das Fest im Garten der Langsamkeit

Was Cottagecore eigentlich bedeutet

Cottagecore ist kein Trend. Oder besser: Es hat sich längst von einem Trend zu einer Haltung entwickelt. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort „Cottage“ – kleines Landhaus – und „core“ zusammen, als Hinweis auf einen extremen, konsequenten Ausdruck eines Lebensgefühls. Cottagecore entstand hauptsächlich auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Tumblr und Pinterest und hat gerade im Zuge der Corona-Pandemie viele Anhänger gefunden – als Sehnsucht nach einem Gegenentwurf zur Digitalisierung und zum Stadtleben.

Was Cottagecore so trifft: Es romantisiert das Einfache, das Handgemachte, das Langsame. Gärtnern, Backen, Briefe schreiben. Trockenblumen in alten Tonkrügen. Selbstgehäkelte Decken, Leinenvorhänge, Marmeladengläser auf Holzregalen. Cottagecore romantisiert einen einfacheren Lebensstil, schätzt die Schönheit der Natur, handgemachte Produkte und stellt eine enge Verbindung zur Erde in den Mittelpunkt. Es ist inspiriert von viktorianischer Ländlichkeit, von Filmen wie „Little Women“, von Büchern wie „Der geheime Garten“ – einer Welt, in der das Tempo des Lebens mit dem der Jahreszeiten übereinstimmt.

Auf eine Hochzeit übertragen bedeutet Cottagecore: draußen, wenn möglich. Im Garten, auf einer Wiese, in einem alten Obsthain. Wildblumensträuße statt gezüchteter Arrangements. Holztische ohne Tischdecken, dafür mit Leinen-Tischläufern und Trockenblumengestecken. Kerzenlicht in alten Einmachgläsern. Selbstgebackener Kuchen statt mehrstöckiger Hochzeitstorte aus dem Katalog. Pastellfarben: Salbeigrün, Altrosa, Lavendel, Cremeweiß. Cottagecore avanciert zum Trend als Hochzeitsthema, gerade Feiern auf dem Land lassen sich so unvergesslich gestalten.

Die Location

Die ideale Cottagecore-Hochzeit findet auf dem Land statt: im Garten eines alten Bauernhofes, auf einem Landgut, auf einer Wiese am Waldrand, auf einem Obsthof in der Blütezeit. In Brandenburg gibt es wunderschöne Locations, die wie gemacht für diesen Stil sind: alte Gutshöfe, verwilderte Parklandschaften, Scheunen mit verwitterten Holzdielen, die das Licht des späten Nachmittags einfangen wie ein Gemälde. Wer in Berlin heiraten möchte, denkt vielleicht an die Übergänge ins Brandenburger Umland – eine Scheune in Falkensee, ein Garten in Werder, ein Gutshof nahe der Havel.

Welche Rituale passen zu Cottagecore?

Für Cottagecore-Paare empfehle ich Rituale, die die Natur einbeziehen und etwas Wachsendes, Lebendiges in den Mittelpunkt stellen. Das Pflanzenritual oder Baumsetzritual ist hier mein absoluter Favorit: Das Paar pflanzt gemeinsam einen Baum oder eine Pflanze – einen Apfelbaum, einen Rosenstrauch, einen Lavendelstock – als Symbol für das, was gemeinsam wächst. Die Gäste können Erde dazugeben, ein Wasser begießen, ein Samenkorn hinzufügen. Am Ende hat das Paar nicht nur Ringe getauscht, sondern etwas gepflanzt, das in zwanzig Jahren noch steht. Das ist Ritualarbeit im besten Sinne: Sie macht das Unsichtbare sichtbar und gibt ihm eine körperliche Form.

Ebenfalls wunderschön ist das Kräutersegen-Ritual: Ausgewählte Kräuter – Lavendel für Ruhe, Rosmarin für Treue, Thymian für Mut, Pfefferminze für Frische – werden in einem gemeinsamen Strauß zusammengebunden und während der Zeremonie besprochen. Die einzelnen Kräuter stehen für Wünsche oder Qualitäten, die das Paar in seine Ehe mitbringt. Die Gäste können eigene Kräuter aus dem Garten mitbringen und im Laufe der Zeremonie hinzufügen – so entsteht ein gemeinsamer Strauß aus all den guten Wünschen der Menschen, die das Paar lieben.

Und dann ist da das Brotbackritual – seltener, aber tief verankert in der Tradition: Das Paar backt gemeinsam ein Brot, das bei der Hochzeit geteilt wird. In manchen Kulturen ist das Teilen von Brot das älteste Zeichen für gelebte Gemeinschaft. In einer Cottagecore-Hochzeit, in der Selbstgemachtes und Handwerkliches wertgeschätzt werden, gewinnt dieses Ritual eine ganz besondere Wärme.

Für wen ist Cottagecore das Richtige?

Wenn ihr samstags den Wochenmarkt dem Supermarkt vorzieht. Wenn eure Wohnung voller Pflanzen ist und mindestens eine davon einen Namen hat. Wenn ihr „Slow Living“ nicht als Trend, sondern als persönliches Versprechen versteht. Wenn ihr bei dem Gedanken an eine Hochzeit im Freien, bei Dämmerlicht, mit dem Geruch nach frisch geschnittenem Gras und selbstgebackenem Kuchen innerlich seufzt – aber das gute Seufzen.

Cyberpunk: wenn die Zukunft heiratet

Was Cyberpunk eigentlich bedeutet

Cyberpunk ist das am häufigsten missverstandene der drei Hochzeitsthemen in diesem Beitrag. Viele denken zunächst: Science-Fiction-Kostüm, LED-Lichter, futuristisches Gadget-Chaos. Aber wer tiefer schaut, entdeckt etwas, das weit über Ästhetik hinausgeht.

Cyberpunk als Genre entstand in den 1980er-Jahren. William Gibsons Romantrilogie „Neuromancer“ aus dem Jahr 1984 gilt als Grundlage des Cyberpunk-Genres – eine Beschreibung der dreckigen Schönheit einer dystopischen Zukunft mit Gehirn-Netzwerk-Schnittstellen, selbstbewussten KIs und extremen gesellschaftlichen Ungleichheiten. Ridley Scotts „Blade Runner“ lieferte das visuelle Fundament: Regen, Neonlicht, überfüllte Städte, in denen Hightech und Verfall Seite an Seite existieren. Und Spiele wie „Cyberpunk 2077″ haben diese Ästhetik einer neuen Generation zugänglich gemacht.

Was Cyberpunk von anderen Themenhochzeiten unterscheidet: Es ist die einzige Ästhetik in diesem Beitrag, die explizit eine gesellschaftliche Haltung einschließt. Cyberpunk ist per Definition subversiv. Es stellt Fragen: Wer hat die Macht? Wer bleibt auf der Strecke? Was bedeutet Menschlichkeit, wenn die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen? Cyberpunk dient als Linse zur Betrachtung unserer Beziehung zur Technologie und als Warnung vor möglichen Zukunftsszenarien – sein Einfluss ist in allen Bereichen von der Mode bis zur Architektur sichtbar.

Für eine Cyberpunk-Hochzeit bedeutet das: Neonfarben – Magenta, Cyan, leuchtendes Blau und Grün – vor dunklem Hintergrund. Metallische Materialien, Vinyl, technische Stoffe. Holografische Elemente in der Deko. Die Farbpalette der Cyberpunk-Ästhetik ist oft durch dunkle Töne wie Schwarz und Grau geprägt, mit Neon-Akzenten in Rosa, Blau und Lila – Schattierungen, die an Neon-Skylines erinnern. Dazu metallische Texturen, Schaltkreismuster und wenn gewollt Glitch-Effekte in der Deko. Die Location: urban, industriell, futuristisch. Ein Loft mit Beton und Glas. Ein Industriegebäude, das zum Veranstaltungsraum wurde. Eine Dachterrasse mit Stadtpanorama, die nachts im Lichtermeer ertrinkt.

Die Location

Berlin bietet für Cyberpunk-Hochzeiten eine natürliche Bühne. Die Stadt ist voller Industriearchitektur, umgebauter Fabrikhallen, Dachterrassen mit Panorama, Kellergewölben hinter glänzenden Fassaden. Locations wie umgenutzte Kraftwerke, Atelierhäuser in Kreuzberg oder Friedrichshain, industrielle Event-Spaces mit Betonwänden und raumhohen Fensterfronten – all das passt zur Cyberpunk-Ästhetik wie ein Handschuh. Wichtig ist das Licht: Neon-Akzente, gedimmtes ambientes Licht, Projektionen oder LED-Installationen, die die Wände in Lebendigkeit verwandeln.

Welche Rituale passen zu Cyberpunk?

Hier liegt die spannendste Frage. Denn Rituale – das Älteste, was wir aus der Menschheitsgeschichte kennen – in Einklang zu bringen mit der Ästhetik des Futurismus: Das ist eine echte Aufgabe, und eine, die mir als Traurednerin Freude macht.

Das digitale Zeitkapselritual ist meiner Meinung nach das stärkste für Cyberpunk-Paare: Das Paar schreibt – oder spricht auf Video – Botschaften an sich selbst, die zu einem bestimmten zukünftigen Datum geöffnet werden. In fünf Jahren. In zehn. Zu dem Tag, an dem das erste Kind volljährig wird. Die Botschaften werden auf einem gesicherten Medium verwahrt – einem verschlüsselten Speicher, einer physischen Kapsel mit einem digitalen Schloss. Es ist das Ritual der Zukunft par excellence: eine Linie ziehen von heute in das, was noch kommt. Und gleichzeitig eine tiefe Aussage über Vertrauen – dass es diese Zukunft geben wird. Dass man zusammen dorthin geht.

Sehr passend ist auch das Code-Ritual: Das Paar schreibt gemeinsam – entweder symbolisch oder tatsächlich – einen kurzen Code, der ihre Verbindung beschreibt. Nicht wörtlich, sondern als Metapher: „Was wäre das Programm, das uns als Paar beschreibt? Welche Eingaben, welche Ausgaben, welche Schleifen?“ Das klingt abstrakt – aber in der Zeremonie wird daraus ein zutiefst persönlicher Moment, wenn die Antworten vorgelesen werden. Besonders für Paare, die gemeinsam in der Technologiebranche arbeiten, fühlt sich das nicht wie Spielerei an. Es fühlt sich an wie die Sprache, in der sie miteinander denken.

Und schließlich: das Lichtinstallationsritual. Jeder Gast hält eine kleine LED-Leuchte, die zu einem bestimmten Moment in der Zeremonie eingeschaltet wird – als kollektives Signal. Das Paar gibt das Startzeichen, und der Raum verwandelt sich. Ein Meer aus kleinen Lichtern, das die Verbindung zwischen dem Paar und ihrer Gemeinschaft sichtbar macht. Technisch simpel. Visuell unvergesslich. Und symbolisch präzise: In der Cyberpunk-Welt ist das Netzwerk alles. Die Verbindungen zwischen Menschen sind das, was zählt.

Für wen ist Cyberpunk das Richtige?

Wenn euer Bücherregal mehr Science-Fiction als alles andere enthält. Wenn ihr bei dem Wort „Neon“ nicht an Kitsch denkt, sondern an Schönheit. Wenn euch die Frage, was Menschlichkeit in einer zunehmend technologischen Welt bedeutet, wirklich beschäftigt – und wenn ihr das zum Thema eures Hochzeitstages machen wollt. Wenn ihr beim Gedanken an eine Feier in einer industriellen Location mit Lichtinstallationen und elektronischer Musik aufleuchtet.

Rituale: der eigentliche Kern jeder Themenhochzeit

Ich möchte an dieser Stelle einen Moment innehalten. Weil ich denke, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer Hochzeit, die einen Stil hat, und einer Hochzeit, die einen Kern hat. Und dieser Kern sind fast immer die Rituale.

Ich sage das als jemand, der Zeremonien schreibt und hält. Ich habe erlebt, wie ein perfekt dekorierter Raum leer wirken kann, wenn die Zeremonie darin keine emotionale Substanz hat. Und ich habe erlebt, wie eine schlichte Wiese zu einem Ort wird, der sich anfühlt wie das Zentrum der Welt – weil die Rituale, die dort vollzogen wurden, tatsächlich etwas bedeuteten. Für das Paar. Und deshalb für alle.

Das Entscheidende bei jedem Ritual ist nicht seine ästhetische Passung zu einem Stil. Das Entscheidende ist, ob es zu euch gehört. Ob ihr es mit einer Geschichte füllen könnt. Ob die Handlung, die ihr vollzieht, für euch eine persönliche Wahrheit ausdrückt. Ein Handfasting mit zufällig gewählten Bändern ohne Bedeutung bleibt Dekoration. Ein Handfasting, bei dem jedes Band von einem bestimmten Menschen in eurer Geschichte stammt oder eine bewusste Eigenschaft symbolisiert, wird zu einem der bewegendsten Momente des Tages.

Ich helfe euch dabei, das richtige Ritual zu finden. Eines, das zu eurem Stil passt – und das vor allem zu euch passt. Und dann helfe ich euch, die Worte zu finden, die dem Ritual seinen Sinn geben. Denn das ist meine Aufgabe als freie Traurednerin: nicht nur die Zeremonie zu halten, sondern sie zu formen. Aus dem, was ihr mir erzählt. Aus dem, was ihr seid.

Die drei Stile im Vergleich – und die Frage dahinter

Dark Romance, Cottagecore, Cyberpunk: drei Ästhetiken, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die eine schaut in die Tiefe des Gefühls, die zweite in die Tiefe der Natur, die dritte in die Tiefe der Zukunft. Und doch haben alle drei dieselbe Grundstruktur: Sie sind Antworten auf das Unbehagen an der Normalität. An der hochglanzpolierten Hochzeit ohne Eigengewicht. An dem Fest, das schön aussieht, aber nicht erzählt, wer die Menschen sind, die darin feiern.

Ich stelle jedem Paar, das zu mir kommt, irgendwann diese Frage: Beschreibt mir einen ganz normalen Abend bei euch. Nicht den perfekten Abend. Den normalen. Mit dem, was ihr lest, hört, schaut. Mit dem, worüber ihr streitet und worüber ihr lacht. Mit dem, was auf eurem Nachttisch liegt und was ihr kocht, wenn ihr müde seid.

Wer abends düstere Literatur liest und dabei Rotwein trinkt und das eigentlich als romantisch empfindet – der heiratet vielleicht Dark Romance. Wer abends Tee kocht, Kräuter trocknet, Sammelkörbe ordnet und in dieser Tätigkeit echte Ruhe findet – der heiratet vielleicht Cottagecore. Wer abends Kurzgeschichten über KI-Ethik liest, Science-Fiction-Serien schaut und beim Blick auf die nächtliche Skyline denkt: das ist schön – der heiratet vielleicht Cyberpunk.

Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur: passt das zu euch – oder passt es nicht?

Was, wenn keiner der drei Stile ganz passt?

Auch das ist möglich – und häufiger als man denkt. Die meisten Menschen sind nicht eine Ästhetik. Sie sind Verbindungen. Dark Romance mit Cottagecore-Herz: die Menschen, die nachts düstere Romane lesen und tagsüber Brot backen. Cottagecore mit Cyberpunk-Verstand: die Softwareentwicklerin, die im Schrebergarten ihren Ausgleich findet. Cyberpunk mit Dark Romance-Seele: die Menschen, die in neonbeleuchteten Städten von schwarzen Rosen träumen.

Das macht euch nicht unstimmig. Das macht euch komplex. Und Komplexität ist nicht das Problem einer Hochzeit – sie ist ihre Stärke, wenn sie ehrlich gelebt wird. Meine Aufgabe ist es, mit euch gemeinsam herauszufinden, wo die Schnittmengen liegen. Welche Elemente aus welchen Welten zu einem Ganzen werden, das nach euch klingt und nicht nach einem Pinterest-Board.

Ein letztes Wort über das, was bleibt

Ich schreibe Reden. Ich habe das aus einer langen Liebe zur Sprache gelernt – durch das Übersetzen von Literatur, durch das Suchen nach dem einen Wort, das den Unterschied macht. Mark Twain hat das einmal so formuliert: Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem fast richtigen ist der Unterschied zwischen Blitz und Glühwürmchen.

Das gilt für Stile genauso wie für Worte. Der fast richtige Stil ist der, bei dem ihr denkt: Das sieht gut aus. Der richtige Stil ist der, bei dem ihr denkt: Das sind wir. Und wenn ihr dieses Gefühl habt – wenn ein Bild, ein Wort, eine Vorstellung in euch etwas aufleuchten lässt – dann folgt diesem Aufleuchten. Egal ob es Dark Romance, Cottagecore, Cyberpunk oder eine vollkommen eigene Mischung ist, die noch keinen Namen hat. Dieser Funke ist der Anfang eurer Geschichte. Und eurer Hochzeit.

Ich bin Antje, freie Rednerin in Berlin. Ich begleite euch von diesem ersten Aufleuchten bis zu dem Moment, in dem ihr euch das Ja-Wort gebt – und darüber hinaus. Wenn ihr neugierig seid, ob wir zusammenpassen: Schreibt mir einfach. Ich freue mich auf eure Geschichte.

Quellen & weiterführende Links