Von Antje Peter, freie Trauerrednerin in Berlin

Beitragsbild: Naghshe Rustam und Ka’ba-ye Zartosht in der Nähe von Shiraz, Iran. (c) stock.adobe.com /Moe Shirani

Es gibt Kulturen, in denen Trauer nicht nur ein privates Gefühl ist, sondern ein öffentliches Ereignis – ein Ritual, das ganze Städte in Bewegung setzt. Persien, das heutige Iran, gehört dazu. Als Trauerrednerin in Berlin denke ich oft darüber nach, wie unterschiedlich Menschen mit Verlust umgehen, welche Formen sie ihm geben, welche Worte, welche Gesten, welche Räume. Und je mehr ich über andere Kulturen lese, desto klarer wird mir: Trauer braucht immer eine Form. Sie braucht Rituale. Nicht weil Rituale den Schmerz nehmen – das können sie nicht. Aber weil sie dem Unaussprechlichen eine Gestalt geben, die zu tragen ist.

Persien bietet in dieser Hinsicht eine der reichsten Trauertraditionen der Welt. Über 5000 Jahre Geschichte haben sich Schicht um Schicht von Ritualen abgelagert: zoroastrische Reinheitsvorstellungen, arabisch-islamische Bestattungspflichten, schiitische Passionsspiele, persische Elegien. Was bleibt, ist eine Trauerkultur von außerordentlicher Tiefe und Vielschichtigkeit – und eine, die bis heute lebendig ist.

Die Frühzeit: Trauer im Zeichen des Feuers

Bevor man über persische Trauerrituale sprechen kann, muss man verstehen, welche Religion das alte Persien jahrtausendlang geprägt hat: der Zoroastrismus, die Religion des Propheten Zarathustra. Sie ist eine der ältesten monotheistischen Religionen der Welt und entstand schätzungsweise zwischen 1800 und 600 vor unserer Zeitrechnung auf dem iranischen Hochplateau. Ihre drei Grundsätze – Gutes denken, Gutes sprechen, Gutes tun – klingen auch heute noch von bemerkenswerter Modernität.

Im Zoroastrismus sind die vier Elemente heilig: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Das Feuer gilt als sichtbares Symbol des guten Gottes Ahura Mazda, als Licht gegen die Dunkelheit. In den Feuertempeln brennt das heilige Feuer ohne Unterbrechung – in Yazd seit über 1500 Jahren. Dieser Glaube an die Heiligkeit der Elemente hatte für die Trauerkultur weitreichende Konsequenzen: Ein Leichnam, der verwest, darf weder die Erde noch das Feuer noch das Wasser verunreinigen. Daraus entstand eine der eigenwilligsten Bestattungsformen der Weltgeschichte.

Heilige Feuerstätte und Trauer Ritual im Iran
Atash Beram Feuertempel, Feuerstätte von Ahura Mazda in Yazd, Iran (c) stock.adobe.com / murattellioglu

Der Turm des Schweigens: Wenn die Geier den Toten empfangen

12 Kilometer südwestlich von Yazd, mitten in der iranischen Wüste, stehen zwei runde Steintürme auf einem Hügel. Sie heißen Dakhma – oder, wie sie seit dem 19. Jahrhundert auch im Deutschen genannt werden: „Türme des Schweigens“. Auf diesen Türmen wurden die Toten ausgesetzt. Das Fleisch fraßen die Geier. Die Knochen ließ man austrocknen und wurden schließlich in einem Knochenbrunnen im Innern des Turmes gesammelt, damit auch die letzten Überreste weder Erde noch Wasser berühren konnten.

Diese Praxis ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit gegenüber den Toten – im Gegenteil. Sie ist Ausdruck eines tiefen religiösen Respekts: Der Körper nach dem Tod soll weder die heilige Schöpfung belasten noch verunreinigen. Die Seele ist längst aufgestiegen. Was bleibt, ist nur Materie. Das Ritual der Dakhma war streng reglementiert; speziell ausgebildete Priester – die Nāsā-Sālārs – waren für die Überführung und Aufbahrung zuständig. Rituelle Waschungen und Gebete begleiteten den Prozess. Laut dem Bericht der Zeitschrift für Trauerkultur OHLSDORF wurden diese Türme in Yazd noch bis Mitte der 1960er Jahre genutzt, bevor die iranische Regierung sie aus hygienischen Gründen verbot. Seitdem begraben zoroastrische Gemeinden ihre Toten – nach langen Diskussionen – in Beton ausgekleideten Gräbern, die eine Verunreinigung der Erde verhindern sollen.

Neben den Dakhma gab es Wohnbauten und Totenhäuser am Fuße des Turmes, in denen die Trauergemeinschaft zusammenkam und Gebete gesprochen wurden. Trauer war auch hier niemals stumm – sie brauchte Gemeinschaft, Zeit und Worte.

Die Grabmäler der Könige: Staatstrauer in Stein gemeißelt

Wenn man von der persischen Frühzeit spricht, darf man die achämenidischen Königsgräber nicht vergessen. In Naqsh-e Rostam, einer Felsnekropole nahe Persepolis, sind die Grabstätten von Darius I., Xerxes I., Artaxerxes I. und Darius II. in den Fels gehauen – monumentale Zeichen, dass der Tod der Würde nicht widerspricht, sondern ihr letzten Ausdruck verleiht. Das Grabmal von Kyros dem Großen in Pasargad, das aus hellen Kalksteinquadern erbaut wurde und noch heute steht, trug nach dem Bericht des griechischen Historikers Plutarch eine Inschrift, die einen schlicht erschaudern lässt: „Mensch, wer du auch seist und woher du kommen magst – denn dass du kommen wirst, weiß ich – ich bin Kyros, der den Persern die Herrschaft erworben hat. Missgönne mir nicht die wenige Erde, die meinen Leichnam deckt.“

Dieser Satz, geschrieben vor über 2500 Jahren, berührt mich als Rednerin jedes Mal aufs Neue. Er spricht direkt. Er ist persönlich. Er gibt dem Verstorbenen eine Stimme. Genau das ist es, worum es bei einer würdevollen Trauerfeier geht: den Menschen, der gegangen ist, noch einmal sprechen zu lassen.

Die arabische Eroberung und der Wandel der Trauerkultur

Im Jahr 651 n. Chr. besiegten arabisch-muslimische Truppen das letzte sassanidische Großreich und brachten den Islam auf das iranische Hochplateau. Es war ein Wendepunkt, der sich in Jahrhunderten vollzog: die Islamisierung des Irans war kein Moment, sondern ein langer Prozess, der vom achten bis zum zehnten Jahrhundert andauerte. Der Zoroastrismus verlor seinen Status als Staatsreligion; viele Zoroastrier wanderten nach Indien aus, wo ihre Nachkommen heute als Parsen bekannt sind.

Mit dem Islam kamen neue Trauerrituale. Das islamische Recht gibt klare Regeln vor: der Verstorbene muss so schnell wie möglich bestattet werden, idealerweise noch am Tag des Todes oder am darauffolgenden. Er wird rituell gewaschen und in weiße Tücher gehüllt. Ein Imam spricht das Totengebet – das Salat-ul-Janazah – vor der Bestattung. Nur Erdbestattungen sind erlaubt. Der Körper wird in Richtung Mekka gelegt. Laut dem Überblick zu islamischen Bestattungsriten beginnt nach der Beisetzung eine dreitägige Trauerzeit, in der die Angehörigen Beileidsbesuche empfangen, aus dem Koran rezitieren und gemeinsam beten. Die engsten Verwandten tragen dunkle Kleidung für vierzig Tage.

Doch im Iran verschmolzen islamische Pflichten und persische Seele zu etwas Eigenem. Die Zahl 40 – Arba’in – hatte in der persischen Kultur schon vor dem Islam eine tiefe symbolische Bedeutung, und sie blieb es: Am 40. Tag nach dem Tod versammelt sich die Familie erneut, man gedenkt gemeinsam, betet, verteilt Essen an die Armen. Die Erinnerung an den Verstorbenen klingt nicht nach sieben Tagen aus – sie wird gepflegt, strukturiert, rituell eingebettet.

Die Safawiden und die Geburt der schiitischen Trauerkultur

Ein entscheidender Wendepunkt für die persische Trauerkultur war das Jahr 1502. Mit den Safawiden übernahm erstmals seit der arabischen Eroberung wieder eine eigene iranische Dynastie die Macht – und mit ihr wurde der schiitische Islam zur Staatsreligion. Das veränderte alles.

Denn im schiitischen Islam gibt es ein zentrales Ereignis, das wie kein anderes die kollektive Trauer prägt: die Schlacht von Kerbela im Jahr 680. Husain ibn Ali, Enkel des Propheten Mohammed und dritter Imam der Schiiten, weigerte sich, dem Umayyaden-Kalifen Yazid I. die Treue zu schwören. Er zog mit einer kleinen Gefolgschaft von 72 Menschen in eine hoffnungslose Auseinandersetzung – und starb, vom Wasser des Euphrat abgeschnitten, gemeinsam mit seinen Gefährten den Märtyrertod. Dieses Ereignis, so Wikipedia zur Muharram-Trauerkultur, wurde zur Urwunde der Schia – und zur Grundlage einer Trauerkultur, die bis heute keine Parallele auf der Welt kennt.

Unter sunnitischer Herrschaft hatte die Trauer um Husain lange ein privates, oft verborgenes Dasein gefristet. Die Safawiden aber machten sie öffentlich, politisch und spektakulär. Aus stillen Klagerunden wurden Straßenprozessionen, aus frommen Gesängen Passionsspiele, aus persönlicher Andacht kollektive Katharsis. Laut einem Bericht der taz über die schiitische Trauerkultur förderten die Safawiden diese Trauerfeiern nicht zuletzt aus machtpolitischen Gründen: Sie wollten die iranische Bevölkerung an die Schia binden und eine eigene, von der sunnitischen Welt abgegrenzte religiöse Identität schaffen.

Muharram: Wenn ein ganzer Staat trauert

Wer in den ersten zehn Tagen des islamischen Monats Muharram durch iranische Städte reist, erlebt etwas, das man nicht so schnell vergisst. Schwarze Fahnen hängen an Moscheen, Minaretten, Brücken und Hoteleingängen. In Fußgängerzonen und Basaren stehen Stände mit Tee und Essen. Riesige Porträts von Märtyrern – nicht nur aus der Zeit von Kerbela, sondern auch aus dem irakisch-iranischen Krieg der 1980er Jahre – reihen sich an Häuserwänden und U-Bahn-Stationen. Das Bild des Verstorbenen mit einer Tulpe daneben: denn in Persien ist die Tulpe eine Trauerpflanze, Symbol des vergossenen Blutes.

Der Reisebericht der Zeitschrift für Trauerkultur OHLSDORF beschreibt eindrücklich, wie ein ganzer Staat in diesen Tagen in kollektiver Trauer steht. Regierungsgebäude, Universitäten, Museen und die meisten Restaurants sind an Tasu’a und Aschura geschlossen. Hochzeiten und Feste werden auf andere Zeiten verschoben. Das öffentliche Leben tritt zurück – die Trauer tritt vor.

Die Trauerzeremonien beginnen am ersten Tag des Muharram und steigern sich bis zum zehnten Tag, dem Aschura. Semiprofessionelle Sänger – die Maddahs – leiten die Trauersitzungen. Sie tragen mit trauriger Stimme Elegien vor, in denen die Ereignisse von Kerbela geschildert werden. Das Ziel ist klar formuliert: Die Zuhörer sollen weinen. Und sie weinen. Männer schlagen sich in synchronen Bewegungen auf die Brust – das Sinazani. In Kreisen bewegen sie sich, Schulter an Schulter, in einem hypnotischen Rhythmus, während der Chor immer wieder den Namen des Märtyrers ruft: „Husain, Husain.“

Aschura: Der zehnte Tag

Am zehnten Tag des Muharram – dem Aschura – erreicht die Trauer ihren Höhepunkt. Prozessionen ziehen durch die Straßen. Männer tragen den Nakhl – ein schweres, reich geschmücktes Holzgestell, das den Sarg Husains symbolisiert. In der Nacht davor, der Schaam-e Ghariban, der „Nacht der Fremden“, werden an heiligen Stätten und Versammlungsplätzen Kerzen angezündet. Eine Atmosphäre des stillen Gedenkens, der Erschütterung, der Gemeinschaft liegt über den Städten.

Die Aschura-Rituale haben sich über die Jahrhunderte verändert und regional stark ausdifferenziert. In Korramabad etwa findet an Tasu’a die Zeremonie Chehel Manbar statt: Frauen und Männer verteilen an vierzig verschiedenen Orten der Stadt jeweils vierzig Kerzen und Zuckerwürfel – ein Brauch, dem, laut dem Qantara-Portal, nach der Überlieferung Wünsche in Erfüllung gehen. Vier Jahrzehnte nach dem Tod Husains beginnt das Arba’in – das Wallfahrtsfest 40 Tage nach dem Aschura, zu dem allein bis zu 30 Millionen Pilger den Schrein in Kerbela, Irak, besuchen. Es ist die größte friedliche Menschenansammlung der Welt.

Ta’ziya: Das persische Passionsspiel als kollektive Trauerarbeit

Eine der außergewöhnlichsten Ausdrucksformen persischer Trauerkultur ist das Ta’ziya – das persische Passionsspiel. Es entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert unter den Kadscharen zu einer kunstvoll inszenierten Theaterform, in der das Martyrium Husains und seiner Gefährten szenisch nachgespielt wird. Schauspieler übernehmen die Rollen der Helden und Bösewichte; an jedem der zehn Tage des Muharram wird ein anderes Ereignis aus dem Leidensweg von Kerbela dargestellt. Die Trauer ist dabei nicht passiv – sie ist aktiv, körperlich, kollektiv erlebbar.

Was mich als Rednerin an diesem Format zutiefst berührt: Das Ta’ziya schafft eine Form des gemeinsamen Erinnerns, die über das individuelle Erleben hinausgeht. Die Trauer um Husain ist nicht die Trauer um eine einzelne Person – sie ist die Trauer einer Gemeinschaft um das, wofür er stand: Gerechtigkeit, Würde, Widerstand. Laut dem Religionswissenschaftler Heinz Halm, zitiert im Wikipedia-Artikel zu Trauerzeremonien zu Muharram, ermöglichen diese Rituale den Schiiten, „einen Teil der individuellen Sünden, aber auch der kollektiven historischen Schuld der Schia, abzubüßen“. Trauer als Reinigung. Als Befreiung. Als Erneuerung.

Das Ta’ziya wurde unter Reza Schah Pahlavi zeitweise verboten und erlebte nach der Islamischen Revolution 1979 eine Renaissance. Heute ist es als immaterielles Kulturerbe ein lebendiger Teil der iranischen Trauerkultur.

Rawda-Khwani: Die Kunst der Klagegesänge

Neben dem Ta’ziya gibt es eine ältere, intimere Form der gemeinsamen Trauerarbeit: das Rawda-Khwani (روضه‌خوانی). Der Begriff leitet sich aus dem Titel eines persischen Meisterwerks ab, das im 15. Jahrhundert verfasst wurde: dem Rawdat al-Shuhada (‚Garten der Märtyrer‘) des Husayn Vaiz Kashifi. Ein speziell ausgebildeter Vortragender – der Rawza-Khwan – rezitiert mit trauriger Stimme und unter Verwendung bestimmter Tonarten Elegien auf die Leiden Husains und der Imame. Ziel ist es, die Anwesenden zum Weinen zu bringen – nicht aus Sentimentalität, sondern als Akt der spirituellen Teilhabe am Leid des Märtyrers.

Das Rawda-Khwani kann überall stattfinden: in Häusern, auf Moschee-Höfen, in Hussainiyyas, auf Dorfplätzen. Es ist ein basisnahes, bewegliches Ritual, das keine aufwendige Ausstattung braucht – nur eine Stimme, eine Gemeinschaft und die Bereitschaft, gemeinsam zu trauern. Aus meiner Perspektive als Rednerin erinnert mich das daran, wie viel Kraft in Worten liegt, die nicht informieren, sondern berühren. Rede ist nicht Bericht. Rede ist Resonanz.

Die Rhythmen der Trauer: Drei Tage, sieben Tage, vierzig Tage

Neben den kollektiven Trauerzeremonien rund um Muharram gibt es in der iranischen Trauerkultur klare Zeitstrukturen für den individuellen Verlust. Der Tod eines Angehörigen wird durch feste Gedenktermine begleitet, die den Trauernden Orientierung geben und verhindern, dass der Verlust zu einer privaten, unhörbaren Angelegenheit wird.

Nach der Bestattung beginnt eine dreitägige Trauerzeit mit Beileidsbesuchen, Koranrezitationen und gemeinsamen Gebeten. Am siebten Tag versammelt sich die Familie erneut. Am vierzigsten Tag – dem Tschellem oder Arba’in – findet eine größere Gedenkfeier statt, oft mit einem gemeinsamen Mahl, bei dem Essen an Arme verteilt wird – das sogenannte Nazri. Dieser Brauch, Trauernden Nahrung anzubieten und sie an die Armen weiterzugeben, ist tief in der iranischen Gesellschaft verwurzelt. Auch bei den Aschura-Feiern stellen laut dem Portal IranKultur viele Viertel Stände auf, um den Trauernden und Passanten Essen anzubieten.

Die Trauerzeit insgesamt dauert nach islamischer Überlieferung ein Jahr. In dieser Zeit meiden die Angehörigen Feste der Freude, tragen dunkle Kleidung und besuchen regelmäßig das Grab. Trauer darf Zeit haben. Und sie soll sichtbar sein. Das Grab wird gerne freitags besucht – mit frischen Blüten, mit stillem Verweilen, mit Erinnerung. An manchen Gräbern stehen riesige Blumengestecke mit dem Foto des Verstorbenen; Todesanzeigen erscheinen nicht nur in Zeitungen, sondern werden als Stoffbanner an Häuserfassaden gehängt, in Bazar-Ständen ausgelegt oder in Autos befestigt.

Trauer in Versen: Hafiz, Rumi und die Kraft der Dichtung

Kein Kapitel über persische Trauerkultur wäre vollständig ohne die Dichtung. In Persien ist die Dichtung keine Kunstform für wenige – sie ist Allgemeingut, Hausbuch, Trost. Hafiz (um 1320–1390), einer der größten Dichter des Iran, wird noch heute an seinem Grabmal in Shiraz verehrt; Verliebte kommen, seinen Marmorsarg zu berühren; Trauernde kommen, seine Verse laut zu rezitieren. Sein Diwan – eine Sammlung von Gedichten über Liebe, Verlust, Wein und Gottesnähe – ist, wie die Zeitschrift für Trauerkultur treffend schreibt, das Hausbuch jedes Iraners. Er beeinflusste auch Goethe, der mit 70 Jahren seinen „West-östlichen Diwan“ verfasste.

Dschalal ad-Din Rumi, der große persische Mystiker des 13. Jahrhunderts, schrieb über den Tod nicht als Ende, sondern als Heimkehr. Sein bekanntestes Bild: Die Seele ist wie ein Rohrflötenmusiker, der von seinem Ursprung getrennt wurde – und dessen Klagen nichts anderes sind als die Sehnsucht nach der Einheit. Trauer ist Sehnsucht. Sehnsucht ist Liebe. Liebe hört nicht auf.

Für die Trauerfeier ist diese Tradition tief bedeutsam: Wenn in iranischen Familien ein geliebter Mensch gestorben ist, werden Gedichte vorgetragen. Nicht als dekorativer Abschluss – sondern als Kern der Zeremonie. Als das, was bleibt, wenn die Worte der Trostlosigkeit versagen.

Trauer in Bewegung: Was uns die persische Kultur zeigt

Als Trauerrednerin in Berlin begleite ich Menschen durch eine der schwersten Zeiten ihres Lebens. Immer wieder frage ich mich: Was braucht Trauer? Meine Antwort hat sich durch die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen vertieft. Trauer braucht Zeit. Trauer braucht Gemeinschaft. Trauer braucht Worte. Und Trauer braucht Rituale.

Was mich an der persischen Trauerkultur so beeindruckt, ist ihre Unverlegenheit. Weinen ist erlaubt – mehr noch: Es wird erwartet. Die Trauer wird nicht verwaltet, nicht in einen Nachmittag gepresst und dann weggeräumt. Sie hat Tage, Wochen, Monate. Sie hat Formen – die Prozession, das Passionsspiel, die Elegie, das gemeinsame Mahl. Die Klage als öffentlicher Akt – das ist etwas, das unserer westlichen Trauerkultur oft fehlt. Wir trauen uns selten, laut zu weinen. Wir beeilen uns, wieder zu funktionieren.

Dabei hat die Forschung längst gezeigt: Rituale helfen. Sie geben dem Chaos des Verlustes eine Struktur. Sie versammeln die Gemeinschaft um die Trauernden. Sie ehren den Verstorbenen. Und sie erinnern uns daran, dass wir nicht allein sind.

Wenn Sie sich fragen, welche Rituale zu Ihrer Trauerfeier passen könnten – ob ein persönliches Gedenken, ein gemeinsames Mahl nach der Feier, eine Lesung, die dem Verstorbenen eine Stimme gibt – dann bin ich da. Ich helfe Ihnen, die Form zu finden, die zu Ihrer Geschichte passt. Denn auch in Berlin, Potsdam und Brandenburg gilt: Trauer braucht Worte, die bleiben.

Mehr über meine Arbeit als Trauerrednerin in Berlin erfahren Sie hier.
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