Von Antje Peter · Freie Traurednerin in Berlin, Potsdam & Brandenburg
Fotos: (c) Antje Peter

Stellt Euch vor, ihr habt bei Eurer Hochzeitsplanung nichts in der Hand. Die Einladungskarten werden von einem eigens dafür zuständigen Hofbeamten verschickt – dem Lord Chamberlain. Die Gästeliste umfasst Könige aus Nachbarländern, Botschafter, Kirchenfürsten und, wenn es sich ergibt, auch ein paar Freunde. Der Sitzplan liegt nicht in euren Händen, sondern in denen des Protokolls. Das Brautkleid ist wochenlang Staatsgeheimnis. Die Ringe bestehen aus Gold, das aus einer einzigen Mine in Wales stammt und seit Generationen im königlichen Gewölbe lagert. Und damit ihr nicht zu nervös seid: Draußen vor der Kirche jubeln hunderttausend Menschen.

Willkommen in der Welt der royalen Hochzeit.

Ich muss zugeben: Als freie Traurednerin in Berlin denke ich bei meiner Arbeit nicht oft an die Windsors. Meine Paare heiraten in Scheunen in Brandenburg, auf Dachterrassen in Mitte, in Schlössern am Wannsee. Keine Staatsgäste, kein Protokoll, kein Kammerdiener. Dafür: echte Geschichten, echte Menschen, echte Emotionen. Und doch gibt es eine Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: Wie viel Echtes steckt eigentlich in einer royalen Hochzeit? Haben die da oben auf dem Thron – oder jedenfalls in seiner Nähe – auch Spaß? Lachen die? Tanzen die? Spielen die Bier-Pong?

Spoiler: Ja. Aber der Reihe nach.

Zuerst: Die Regeln. Denn die kommen immer zuerst.

Bevor irgendjemand auch nur ans Heiraten denkt, muss in der britischen Königsfamilie eine ganz grundlegende Formalität erledigt werden. Laut dem Royal Marriages Act von 1772 müssen alle Royals die Erlaubnis des Souveräns einholen, bevor sie heiraten dürfen. Harry musste also bei seiner Großmutter Queen Elizabeth II. um Erlaubnis fragen. William auch. Man kann sich vorstellen, dass das kein entspanntes Gespräch am Frühstückstisch war – aber vielleicht doch. Die Windsors sind in manchem überraschend nahbar, wie wir noch sehen werden.

Wer darf wen heiraten? Auch das ist geregelt, und zwar strenger, als man denkt. Der Act of Settlement von 1701 schließt die Heirat eines Royals mit einem Katholiken aus – eine Regelung, die bis ins frühe 20. Jahrhundert ungebrochene politische Brisanz hatte und auch heute noch formal gilt. Als Peters Phillips (Queens ältester Enkel) 2008 heiratete, konvertierte seine Partnerin Autumn Kelly vom Katholizismus zum Anglikanismus, damit ihr Mann seinen Platz in der Thronfolge behielt.

Das ist, um es klar zu sagen, eine Regel, die im 21. Jahrhundert merkwürdig anmutet. Aber es ist das Gerüst, das die Institution Monarchie zusammenhält: Traditionen, die älter sind als die meisten Verfassungen Europas. Wer in diese Welt einheiratet, tritt in eine Choreographie ein, die Jahrhunderte vor der eigenen Geburt festgeschrieben wurde.

Und diese Choreographie beginnt, lange bevor die Braut am Altar steht.

Die Planung: Wenn aus einem Ja-Wort ein Staatsakt wird

Eine royale Hochzeit ist kein Privatfest. Sie ist ein Medienereignis, ein Politikum und ein Wirtschaftsfaktor in einem. Die Hochzeit von William und Kate im April 2011 wurde weltweit von Hunderten Millionen Menschen verfolgt, die britische Regierung erklärte den 29. April zum Nationalfeiertag, und allein die Sicherheitsmaßnahmen kosteten rund 25 Millionen Euro. 5.000 Polizisten waren im Einsatz. Die Westminster Abbey bot Platz für 1.900 geladene Gäste: Mitglieder ausländischer Königshäuser, Regierungsvertreter, Repräsentanten von Militär und Kirchen, Diplomaten und – das macht den Unterschied – auch die Freunde des Brautpaares von der Universität St Andrews.

Was mich daran beschäftigt: Der Sitzplan. 1.900 Menschen in einer Kirche. Wer sitzt wo? Wer kommt neben wen? Bei einer Hochzeit, die ich begleite, ist die Sitzordnung schon bei 80 Gästen ein komplexes Unterfangen mit Familiengeschichte, alten Fehden und neuen Lebenspartnern. Bei 1.900 Gästen muss das ein eigener Beruf sein.

Tatsächlich ist er das: Einladungen für eine royale Hochzeit und die Planung des Sitzplanes liegen in den Händen des Lord Chamberlain. Der Lord Chamberlain ist einer der ranghöchsten Beamten des königlichen Haushalts. Er plant Zeremonien, koordiniert staatliche Anlässe – und entscheidet, wer bei der Hochzeit neben wem sitzt. Es gibt Menschen, deren Lebenswerk darin besteht, solche Dinge zu entscheiden. Ich finde das, mit allem Respekt, bemerkenswert.

Eigentlich finden royale Hochzeiten an einem Wochentag statt, damit das Volk einen freien Tag zum Mitfeiern genießen kann. Bei Harry und Meghan lief das erstmals anders: Sie heirateten an einem Samstag. Auch das war, in diesem Universum, eine kleine Revolution.

Die Rituale: Was bei einer royalen Hochzeit immer passiert

Es gibt Rituale, die so alt sind wie die Monarchie selbst, und Rituale, die auf eine einzige Frau zurückgehen: Queen Victoria. Sie hat, das muss man ihr lassen, erstaunlich viel von dem erfunden, was wir heute für uralt halten.

Das weiße Kleid

Wenn wir an ein Brautkleid denken, denken wir an Weiß. Das ist keine jahrtausendealte Tradition – das ist Victoria. Die Tradition eines weißen Kleides hat Queen Victoria eingeführt, die damit besonders gut sichtbar für ihre Untertanen sein wollte. Vorher war jede Farbe erlaubt, sogar Schwarz und Rot.

Was ich aus meiner Arbeit weiß: Die Frage nach dem Hochzeitskleid ist eine der aufgeladensten Fragen überhaupt. Bräute verbringen manchmal mehr Zeit damit als mit jedem anderen Element der Hochzeit. Ich finde das vollkommen legitim – es ist ein Ritual der Verwandlung, des Sichtbarwerdens, des Sich-Zeigens. Die Royals tun da nichts anderes als alle anderen Bräute. Nur dass bei ihnen das Kleid als Staatsgeheimnis behandelt wird und anschließend im Museum landet.

Der Myrthe-Zweig

Hier ist eine Tradition, die ich besonders schön finde. In das königliche Blumen-Bouquet wird seit 1840 ein Zweig Myrte eingebunden. Diese Tradition geht auf Queen Victoria zurück, die von der Großmutter Alberts einen Zweig erhielt, den sie nach der Zeremonie in den Garten auf der Isle of Wight einpflanzte. Als Tochter Victoria 1858 heiratete, bekam sie von diesem Strauch einen Zweig für den Strauß.

Seitdem kommen die Myrthe-Zweige in den Brautsträußen der britischen Königinnen aus demselben Strauch. Kates Strauß enthielt einen Zweig aus diesem Garten. Meghans auch. Das ist, wenn man es nüchtern betrachtet, gärtnerische Genealogie. Wenn man es romantisch betrachtet, ist es ein unsichtbarer Faden, der sich durch Generationen zieht – ein Ritual, das das Ephemere dauerhaft macht.

Genau das finde ich an Ritualen so faszinierend: Sie überbrücken Zeit. Sie verbinden den Moment mit dem, was war, und mit dem, was kommen wird. Das gilt für die Royals in Windsor genauso wie für ein Paar, das in einer Berliner Scheune ein Baumritual vollzieht.

Der Brautstrauß am Grab des Unbekannten Soldaten

Dies ist das Ritual, das mich am meisten berührt. Eine weitere Tradition ist das Ablegen des Brautstraußes in der Westminster Abbey am Grab des unbekannten Kriegers. Eingeführt von der Queen Mum, die beim Betreten der Kirche ihren Blumenschmuck dort ablegte, um an ihren gefallenen Bruder Fergus und die vielen anderen Opfer zu erinnern.

Auf dem Höhepunkt des persönlichen Glücks – dem eigenen Hochzeitstag – hält man inne. Man legt nieder, was man in den Händen trägt, und gedenkt derer, die nicht mehr da sind. Kate hat diese Tradition fortgeführt. Meghan auch, obwohl ihr Strauß eigens aus Windsor herbeigebracht werden musste, da sie in der St. George’s Chapel und nicht in der Westminster Abbey heiratete.

Das ist kein leeres Protokoll. Das ist ein echtes Ritual: Freude und Trauer, Anfang und Gedenken, gleichzeitig. Als jemand, die auch Trauerfeiern begleitet, weiß ich: Manchmal sind das die stärksten Momente. Wenn zwei scheinbar entgegengesetzte Gefühle gleichzeitig Raum haben dürfen.

Die Ringe aus walisischem Gold

Seit der Hochzeit von Queen Mum werden die Hochzeitsringe aus walisischem Gold hergestellt, das aus der Clogau St David’s Mine in Bontddu stammt. Das Gold für Kates Ring und für Meghans Ring kam aus denselben königlichen Gewölben, wo noch ein Goldstück aus der ursprünglichen Mine liegt. Auch hier: derselbe Gedanke wie beim Myrthe-Zweig. Material, das Generationen verbindet.

Was ich meinen Paaren manchmal erzähle: Der Ring ist das älteste Symbol dieser Zeremonie, das wir kennen. Die Römer verwendeten ihn, vermutlich noch frühere Kulturen auch. Kreis ohne Anfang und Ende. Das ist kein Zufall. Manchmal sind die einfachsten Bilder die stärksten.

Die Uniform des Bräutigams

Der königliche Bräutigam erscheint immer in seiner Militäruniform. William und Harry trugen beide die dunkelblaue Mantelrock-Uniform der Blues and Royals, im Rang des Majors, handgefertigt vom Savile-Row-Schneider Dege & Skinner. Das ist kein modisches Statement, sondern eine Aussage über Identität, Zugehörigkeit und Verantwortung. Wer in eine Königsfamilie einheiratet, tritt in eine Institution ein – und das sieht man.

Die Hochzeitstorte – und was damit passiert

Das vielleicht kurioseste Ritual, das ich kenne: Aus Tradition sollen die Royals jeweils Stücke ihrer Hochzeitstorte einfrieren, um diese bei der Taufe der zukünftigen Kinder zu essen. Es gibt sogar ein Stück Hochzeitstorte, das 97 Jahre alt ist und noch existiert. Der traditionelle britische Hochzeitskuchen ist ein Fruitcake, schwer getränkt mit Rum oder Brandy – was diese erstaunliche Haltbarkeit erklärt. Und die Idee dahinter ist rührend: Der Kuchen, der die Hochzeit begleitet, taucht bei der Taufe wieder auf. Das Leben dreht sich im Kreis. Die Familie wächst. Alles hängt zusammen.

Bei Harry und Meghan gab es übrigens eine Neuerung: Neben der traditionellen Hochzeitstorte wurde auch ein Zitronen-Holunder-Kuchen von der Londoner Bäckerei Violet Bakery serviert – eine Wahl der Braut, die für frischen Wind sorgte.

Hände von Fisch Vermählten bei einer Freien Hochzeit in Berlin

Die Zeremonie: Zwischen Liturgie und Langeweile

Ich muss ehrlich sein: Was die eigentliche Zeremonie betrifft, haben royale Hochzeiten nicht immer den besten Ruf. Eine Quelle, die sich intensiv mit kirchlichen Trauungsritualen befasst, beschreibt die Trauung von William und Kate im April 2011 in einer Weise, die mich, als jemand, die täglich an Reden arbeitet, nachdenklich macht: Die Geistlichen rubrizierten stur ohne jegliche Abweichung oder individuellen Bezug; die Predigt war theologisch und unpersönlich, man konnte dem Brautpaar die Langeweile ansehen.

Das hat einen Grund. Weder Kirche noch Königshaus hatten Interesse an Überraschungen – einerseits, weil eine solche Trauung liturgische Maßstäbe setzt, die dann auch von normalen Brautpaaren eingefordert werden, andererseits, weil es die Hochzeitszeremonie eines zukünftigen Königs war.

Das ist das Dilemma jeder Institution: Sie muss sich selbst treu bleiben, auch dann, wenn es auf Kosten des Moments geht. Und genau hier liegt, glaube ich, der tiefste Unterschied zwischen einer royalen Hochzeit und dem, was ich mit meinen Paaren gestalte. Bei mir geht es darum, dass die Zeremonie von euch handelt. Von eurer Geschichte. Von dem, was genau euch verbindet und was niemand sonst so sagen würde.

Das war bei William und Kate 2011 – zumindest in der Kirche – anders. Die Liturgie blieb dieselbe, wie sie immer geblieben ist. Das Paar war austauschbar. Das Wort Gehorsam wurde im Eheversprechen auf Wunsch ausgelassen – das war die einzige sichtbare Individualisierung, die Kate vornahm, und damit führte sie die Tradition von Diana fort, die 1981 ebenfalls auf dieses Wort verzichtet hatte. Ein kleiner, bedeutsamer Akt in einem großen, formalen Rahmen.

Harry und Meghan gingen 2018 einen anderen Weg. Die Zeremonie war persönlicher, farbiger, internationaler. Der afroamerikanische Bischof Michael Curry hielt eine Predigt, die das Protokoll sprengte – feurig, persönlich, fast schon ein bisschen evangelikal für britische Verhältnisse. Es war, berichten Anwesende und Beobachter übereinstimmend, ein Moment echter Bewegung in einer Kirche, in der solche Momente selten sind.

Und dann: Der Spaß. Den gibt es wirklich.

Jetzt kommen wir zum Teil, den ich am meisten liebe.

Denn eine royale Hochzeit hat – trotz allem Protokoll, trotz allem Staat, trotz allem Pomp – auch das, was jede gute Hochzeit braucht: einen Moment, in dem die Etikette aufhört und das Leben anfängt.

Beginnen wir mit dem Ablauf des Tages, am Beispiel der Hochzeit von Harry und Meghan im Mai 2018. Um 14:25 Uhr richtete die Queen für das Brautpaar und seine Gäste ein Mittagessen in der St George’s Hall auf Schloss Windsor aus. Um 20:00 Uhr gab Prinz Charles für das Brautpaar in Frogmore House einen Empfang für 200 Freunde und enge Familienmitglieder.

Frogmore House – das ist der Schlüssel. Hier, weg von den Kameras, weg vom Protokoll, weg von den 600 offiziellen Gästen, fand die eigentliche Feier statt. Und was dort passierte, klingt deutlich vertrauter als alles, was davor kam.

Elton John singt, James Corden moderiert

Besonderes Highlight des ersten Empfangs: Sir Elton John sang dem Brautpaar ein Ständchen. Kein schlechter Auftakt. Den Abend im Frogmore House soll Late-Night-Talker James Corden moderiert haben. Das ist nicht ganz dasselbe wie die Tante Irmgard, die beim zweiten Glas Sekt spontan das Mikro übernimmt – aber das Prinzip ist ähnlich. Es braucht jemanden, der den Abend trägt.

Whitney Houston, Bier-Pong und Burger um Mitternacht

Jetzt wird es wirklich interessant. Harry und Meghan sollen zu „I Wanna Dance With Somebody“ von Whitney Houston ihren Hochzeitstanz vollzogen haben. Zugeschaut haben George Clooney, die Beckhams, die Suits-Stars und weite Teile der britischen Königsfamilie. George Clooney soll anschließend sowohl mit Kate als auch mit der Braut Meghan getanzt haben. Was seine Frau Amal dazu sagte, ist nicht überliefert.

Wie die britische Tageszeitung „Daily Mail“ berichtet, soll es auch zu feucht-fröhlichen Partyspielen gekommen sein – Tennisspielerin Serena Williams soll sich in einer Runde Bier-Pong versucht haben.

Serena Williams. Bier-Pong. In Frogmore House. Mit Mitgliedern der britischen Königsfamilie im Hintergrund. Das ist ein Satz, den ich mir gemerkt habe.

Nach einem gesetzten Dinner von 19 bis 22 Uhr gab es um Mitternacht noch Ungesundes: Angeblich wurden Burger und Zuckerwatte serviert.

Mitternachts-Burger nach dem protokollarischsten Hochzeitstag des Jahres. Das ist – und ich meine das vollkommen ernst – menschlich. Das ist der Moment, in dem die Inszenierung aufhört und die echte Feier beginnt. Jede Hochzeit, die ich begleite, hat diesen Moment. Er sieht nicht immer wie Burger aus. Manchmal ist es das Brautpaar, das sich um Mitternacht heimlich aus der Gesellschaft stiehlt. Manchmal sind es die Trauzeugen, die noch mal Schnaps holen. Manchmal ist es der erste freie Tanz ohne beobachtende Verwandtschaft. Aber er ist immer da.

Die Reden: Wenn Prinz William „Rache ankündigt“

Was mich als Rednerin natürlich besonders interessiert: Wer hat gesprochen? Und was?

Harrys Bruder Prinz William hielt eine Ansprache, die als „unanständig“ bezeichnet wurde. „Rache ist süß“, hatte er im Vorfeld angekündigt, da Harry bei Williams Hochzeit 2011 in seiner Trauzeuge-Rede ebenfalls nicht zurückgehalten haben soll.

Brüder. Trauzeuge-Reden. Gegenseitige Übertrumpfung. Das kenne ich aus meiner Arbeit. Das ist universal. Das passiert in Prenzlauer Berg und in Windsor Castle.

Prinz Charles ergriff ebenfalls das Wort. Seine Rede soll mit dem Satz geendet haben: „Mein geliebter Harry, ich bin so glücklich für dich.“ Mehr braucht es manchmal nicht. Der richtige Satz, am richtigen Moment, vom richtigen Menschen. Das ist das, wofür ich arbeite – und das Königshaus braucht dafür, wie es scheint, auch keine Rednerin von außen.

Meghan hält eine Rede – und bricht damit ein Tabu

Eines der interessantesten Details dieser Hochzeit: Meghan hielt beim Empfang eine Rede. Das hatte es so noch nie gegeben. Bräute sprechen bei royalen Empfängen traditionell nicht. Das ist Männergebiet. Meghan tat es trotzdem.

Ob das protokollarisch heikel war, ob die Hofbeamten nervös waren, wie die älteren Mitglieder der Familie reagierten – ich weiß es nicht. Was ich weiß: Es war ein Zeichen. Eine Frau, die selbst zu Wort kommt, an dem Tag, der ihr gehört. Auch das ist ein Ritual – eines, das gerade erst entsteht.

Hochzeit bei den europäischen Royals: Ein kurzer Blick über den Kanal

Das britische Königshaus ist das bekannteste, aber nicht das einzige in Europa. Schweden, Norwegen, Dänemark, Spanien, die Niederlande, Belgien, Monaco – überall gibt es Monarchien, überall gibt es royale Hochzeiten, und überall sind die Rituale ähnlich und doch verschieden.

In Schweden etwa ist die Kirche zentraler Schauplatz der Zeremonie, aber mit einem wichtigen Unterschied zur anglikanischen Tradition: In der lutherischen Kirche von Schweden schreitet die Braut an der Seite des Bräutigams zum Altar – das ist unumstößlich. Keine Brautübergabe durch den Vater. Das Paar kommt gemeinsam. Ein kleiner, aber bedeutsamer Unterschied im Ritual.

Auch das zeigt: Selbst innerhalb des Rahmens königlicher Traditionen gibt es Spielraum. Und jede Generation nutzt ihn ein bisschen anders. William und Kate behielten die anglikanische Liturgie, ließen aber ein Wort weg. Harry und Meghan brachten einen afroamerikanischen Bischof und Whitney Houston ins Spiel. Und Meghan hielt eine Rede. Die Traditionen bleiben – aber sie atmen.

Was die royale Hochzeit und eure Hochzeit gemeinsam haben

Ich habe diesen Text nicht geschrieben, um die Royals zu bewundern oder zu kritisieren. Ich habe ihn geschrieben, weil ich glaube, dass man an den Hochzeiten, die am weitesten von uns entfernt zu sein scheinen, manchmal am deutlichsten sieht, was bei allen Hochzeiten zählt.

Was bleibt, wenn man den ganzen Pomp wegnimmt?

Zwei Menschen, die ein Versprechen geben. Rituale, die diesen Moment rahmen. Familien und Freunde, die bezeugen. Ein Fest, das nach der Zeremonie irgendwann ins Menschliche kippt – in Reden, Tanz, Essen, Lachen. Und der Wunsch, dass der Moment bedeutsam war. Dass er getragen wurde. Dass Worte gesprochen wurden, die blieben.

Das ist bei Harry und Meghan nicht anders als bei einem Paar, das in einer Scheune in Brandenburg heiratet. Die Kulisse ist eine andere. Der Kern ist derselbe.

Was ich meinen Paaren manchmal sage: Ihr habt, in Wirklichkeit, mehr Freiheit als die Royals. Ihr könnt entscheiden, was in eurer Zeremonie vorkommt. Ihr könnt Rituale wählen, die zu euch passen. Ihr könnt Worte sprechen lassen, die von euch handeln – nicht von einer abstrakten Liturgie, nicht von einem Protokoll, das älter ist als eure Urgroßeltern. Ihr könnt lachen. Ihr könnt weinen. Ihr könnt den Moment gestalten.

Das ist, wenn man es historisch einordnet, ein außergewöhnliches Privileg. Eines, das die meisten Menschen in der Geschichte der Hochzeit nicht hatten. Und eines, das ich jedes Mal sehr ernst nehme, wenn ich mich an den Schreibtisch setze und anfange, eure Geschichte zu erzählen.

Die Royals müssen sich an das Protokoll halten. Ihr nicht.

Nutzt das.

Ihr sucht eine Traurednerin in Berlin für eure Hochzeit? Ich erzähle gern eure Geschichte – ganz ohne Hofbeamten und Protokoll. Schreibt mir.

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